Samstag, 31. Oktober 2009

Review: Foo Fighters - Greatest Hits (CD)

SonyBMG

Also um ehrlich zu sein, hatten die Foo Fighters bis dato bei mir immer nur eine etwas gebremste Aufmerksamkeit erfahren. Denn bis jetzt hat kein Album den Weg in mein CD-Regal geschafft - das aber weniger ob der zweifelsohne großartigen musikalischen Qualitäten der vier Jungs um Frontman Dave Grohl. Nein, die Foo Fighters waren einfach nur da und haben dabei einen Hit nach dem anderen abgeliefert - da kann man schonmal in Schockstarre geraten.
Umso besser, dass ich mir ex post sozusagen die Retrospektive und Karriere der Foo Fighters in einem Album aneigenen kann. Mit den "Greatest Hits" liefert das Urgewächs aus Seattle nach 15 Jahren einen beeindruckenden Beweis ihres beachtlichen kreativen Outputs, der nicht nur in der Fangemeinde heiß begehrt sein wird, sondern eben auch bei so Typen wie mich. Also ehrlich, wann bekommt man schon die Songs, die sich seit Jahren in den Gehörgängen festgesetzt haben, gesammelt auf einem Album. Eben, deswegen werden bei Ohrwürmern wie "Best Of You", "Everlong" oder "Breakout" doch bei jedem Erinnerungen wach. Und spätestens mit "Pretender" - übrigens der Song, mit dem Dave Grohl endgültig meine Foo Fighters-Distanziertheit gebrochen hatte - ist klar, wie die Band in gleicher Zeit mit sechs Grammys ausgezeichnet wurde und alle sechs Alben allesamt Platinstatus erreichten. Schon beeindruckend - oder wie Dave Grohl selber sagte: "Wie konnte diese Band nur so verdammt groß werden?".
Und nachdem ein Greatest Hits-Album immer etwas Besonderes ist, haben sich auch die Foo Fighters nicht lumpen lassen: Zwei brandneue Songs und eine hervorragende Akustikversion von "Everlong", die das Originalversion sogar noch übertrifft, gibt es oben drauf. Eine runde Sache und ein absolutes Muss für Fans der ersten Stunde - und Nachzüglern wie mich. Bei manchen dauert´s halt länger.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Soundtrack Of The Moment: James Blunt - Goodbye My Lover (live)

Die "Soundtrack Of The Moment"-Reihe dient einem ganz einfachen, egoistischen Zweck: Meine Lieblingsvideos, -bands, -songs etc. kompiliert als ewig fortgeschriebener Video-Soundtrack zum Nachhören und Erinnern. Vielleicht ist ja auch was für euch dabei - und löst den "Als ich das gehört habe, da...."-Moment aus.

Heute mit "Goodbye My Lover" von James Blunt aus seinem damaligen Debüt-Album "Back To Bedlam", hier in einer sehr gelungenen Live-Version. Nun, man kann ja zu James Blunt stehen wie man mag - aber eines kann man dem Kollegen mit Sicherheit nicht absprechen: Sein Händchen für tragisch arrangierte Soft-Songs, die einen in manchen Momenten fast zu Tränen rühren und im gleichen Augenblick an seiner eigenen Geschmacks- und Kitschgrenze zweifeln lassen. Herrlich. Irgendwie.

Montag, 26. Oktober 2009

Review: Mumford & Sons - Sigh No More (CD)

Cooperative Music / Universal

Also, mal ehrlich: Irgendwas ist doch grad im Busch - entweder ist es der Jahreszeitenwechsel oder persönliche Befindlichkeiten in der einseitigen (?) Wahrnehmung der musikalischen Landschaft. Schon lange nicht mehr habe ich eine derart große Auswahl an neuen, faszinierenden Bands in meine Low-Fi-Musiksammlung des Herzens aufnehmen dürfen, wie in diesen Tagen (siehe passenderweise auch das aktuelle Review-Special).
Meine neueste Errungenschaft: Mumford & Sons, die gleich mit ihrem Debütalbum in einem Kreuzzug aus Wärme und Harmonie direkt ins Schwarze treffen. Denn "Sigh No More" ist ein Gesamtwerk, das den Hörer schon mit dem gleichnamigen Opener umarmt und sofort in eine andere Welt jenseits von Trubel, Kälte und Ignoranz entführt. Diese Welt, die das Londoner Quartett in ihrer entspannten Art aus den verschiedensten Facetten aus Country, Bluegrass und einem Hauch Americana geschaffen hat, ist der gelungene Rückzugsort für leise Herbstträumereien und gepflegte Wintermelancholie. Mit Klavier, Orgel, Banjo, Mandoline und Kontrabass heben die Vier um Sänger und Mastermind Marcus Mumford den Indie-Folk auf eine neue, gewichtige Stufe und beweisen, dass jenseits der Fleet Foxes und ihrem leicht entrückten Debütalbum noch einiges mehr an Realitätsnähe und Intensität geht.
Auf der Insel sind die Jungs wohl schon längst vom Geheimtipp zu den Stars der New-Folk- und Indie-Szene aufgestiegen und auch hierzulande wird "Sigh No More" ähnlich einschlagen, da bin ich mir sicher. Wer wie Mumford & Sons bei einem Dutzend Songs mit soviel liebestiftender Nestwärme und aufwühlenden Melodien um sich wirft, hat nichts anderes verdient. Ein geniales Debüt, das sich hiermit verdientermaßen an die Spitze meiner oben angesprochenen Musiksammlung des Jahres setzt.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Reviews aus der Umzugskiste - Teil 3: Hardcore. Screamo. Punk.

Nach Punkrock und sanfteren Indiepop-Tönen, gibt es nun den letzten Teil des dreiteiligen Umzugs-Review-Specials. Heute mit dem vollen Brett unter dem Motto "Reviews aus der Umzugskiste, Teil 3: Hardcore. Screamo. Punk".

Den Anfang machen Death By Stereo mit ihrem neuen Album "Death Is My Only Friend" (I Scream Records / Warner). Und das startet mit der Ruhe vor dem großen Sturm: Einatmen, Ausatmen - um anschließend in gewohnter Manier in einer Mischung aus Hardcore, Punk und Metal zu explodieren. Screams, Shouts, Backvocals: So haut die Truppe um Frontmann Efrem Schulz inzwischen im elften Bandjahr einen wütenden Kracher nach dem anderen raus. Und auch "Death Is My Only Friend" enttäuscht in dieser Hinsicht nicht. Ganz im Gegenteil, das Songwriting ist nochmal um einige Details gewachsen. So verblüfft das fünfte Studioalbum mit chaotischen Soundeskapaden, aber auch mit Pop-Anleihen und hymnenartigen Refrains. Nicht ganz unerheblich dazu beigetragen haben dabei vielleicht die neuen Einflüsse durch das Producerteam aus Jason Freese (u.a. Green Day) und Jay Baumgartner (u.a. Linkin Park). Ein starkes Album, das die Ausnahmestellung von Death By Stereo in der Szene einmal mehr untermauert.

Mir dafür bis dato unbekannt waren dagegen Soul Control, die mit ihrem Album "Cycles" (Bridge 9 / Soulfood) aber ein ähnlich dickes Brett bohren. Weniger Metal, dafür klassischer Hardcore mit etwas Noise und Screamo. Klingt wie so viele andere? Naja, nicht ganz. Zwar ist Produktion etwas glatt geraten und auch die Rotzigkeit á la Ignite oder dergleichen erreichen die Jungs aus Rhode Island nicht ganz. Aber das kann ja noch kommen, immerhin gibt es Soul Control in der Form erst seit gut drei Jahren. Und für ein Debüt ist der Truppe mit "Cycles" ein richtig gutes, weil packendes Album gelungen: High Energy-Hardcore, dem man das Händchen für eine gelungene Mischung aus Wut und Herz bzw. Aggression und Melodie anmerkt. Und um nichts anderes geht es ja.

Eine Herzensangelegenheit ist dafür fast schon das neue Album von Red Lights Flash, die mich mit ihrem dritten Album "Free" und spätestens seit ihrem Gig als Vorband von Pipedown bei einem Konzert irgendwo in der badischen Provinz im Jahr 2004 vollends begeistert haben (siehe auch den Konzertbericht von damals). Umso schöner, dass endlich das Nachfolgealbum "For Your Safety" (RLF Records / Hoanzl) am Start ist - und wieder dermaßen einschlägt. Es ist schon erstaunlich mit welcher Energie und Herzblut die vier Österreicher wieder das Beste am Schnittpunkt zwischen Punk und Hardcore einfangen und mit viel Stimmgewalt und Aggressivität explodieren lassen. Da ist schnell klar, dass es Red Lights Flash mit Bands wie Rise Against, Alexisonfire, Strike Anywhere oder Anti-Flag (auf deren Label sie immerhin auch ein paar Jahre unterwegs waren) locker aufnehmen können. Mit 14 Songs hat "For Your Safety" nicht nur quantitativ einiges zu bieten sondern überzeugt dabei auch noch in der Variablität in Sound und Songwriting, für die ich Red Lights Flash einfach liebe. Da passt selbst das rockige "Is This A Place" am Ende, schließt es doch ganz fantastisch den Spannungsbogen, mit dem das Album den Hörer derartig um den Finger gewickelt hat. Schön zu wissen, dass man sich auf manche Bands (und sein Musik-Bauchgefühl) eben verlassen kann.

Dienstag, 20. Oktober 2009

29.10.2009, Zentralcafé (Nürnberg): Ja, Panik (w/ Dadajugend Polyform)

Gerade eben noch im Zentralcafé mit ordentlich Kuchen und vor allem Captain Planet gebührend den 8. Geburtstag vom Musikmagazin Sellfish gefeiert, könnt ihr euch schon auf den nächsten Kracher gefasst machen.

Also bitte vormerken: lifesoundsreal empfiehlt das Konzert am 29.10.2009 der österreichischen Jungs von Ja, Panik (w/ Dadajugend Polyform) im K4 Zentralcafé, Nürnberg. Einlass ist ab 20:00 Uhr. Nicht verpassen!


















Ja, Panik
Nach dem Kritikererfolg „The Taste and The Money“ (Platz 3 der SPEX-Jahrescharts 2008) kommt nun der Nachfolger in einer dem Geld zugewandten Chronologie mit dem Titel „The Angst And The Money“. Produzent Moses Schneider (Beatsteaks, Tococtronic) hat mit dieser Produktion den Beweis angetreten, dass es sich bei Ja, Panik tatsächlich um die Band der Stunde handelt.

Dadajugend Polyform
Das ist Elektropunk zwischen Gitarre, Synthesizer und Gesang. Und dem Alleskönner, der Beatmaschine Roland Sp404. Die Jungs erfinden das Genre zwar nicht neu, kommen aber außerordentlich charmant und ambitioniert um die Ecke. Knappe einprägsame Sätze erscheinen wohl pointiert zwischen den Beats, schillernden Synthies und einem Bass, der die Bauchdecke hebt.

Montag, 19. Oktober 2009

Reviews aus der Umzugskiste - Teil 2: Indie. Pop. Singer/Songwriter

Und weiter geht´s im Umzugs-Review-Special: Heute unter dem Motto "Reviews aus der Umzugskiste, Teil 2: Indie. Pop. Singer/Songwriter".

Den Anfang macht Helgi Jonsson, der schon mit den ersten Takten seines Albums "For The Rest Of My Childhood" (Sevenahalf / Broken Silence) offene Türen einrennt. Denn der 30-jährige Isländer greift bei den zehn Songs ganz tief in die Gefühlsschublade - und das gelingt im ganz ohne Kitsch, überzogener Tragik oder Schwermütigkeit. Nein, Jonsson hat ein mindestens genauso melancholisches wie dennoch heimeliges Meisterwerk geschaffen - wobei ich wirklich nicht weiß, wie die Leute da oben im unterkühlten Island ticken, aber wenn Alben wie "For The Rest Of My Childhood" dabei herauskommen, kann es so schlecht da nicht sein. Oder man muss wissen, wie man damit umgeht. Und genau das macht Jonsson: Er komponiert Lyrics, Melodien und Gefühle zu einem packenden Soundtrack der bevorstehenden kalten Jahreszeit. Und warum nicht? Warum sollte er auch all die Emotionen mit sich herumschleppen wenn sie derartig liebevoll verpackt in zurückgefahrenem Sounds und betörender Instrumentierung verpackt der Welt mitteilt. Und sich wohl dabei selber kuriert. Und den Hörer ähnlich wie Damien Rice verzaubert.

Ähnlich gefühlvoll, aber dennoch komplett anders schaffen es I Might Be Wrong die stille Jahreszeit effektvoll zu begleiten. Anders als Jonsson bedient sich die Berliner Band auf "Circle The Yes" (Sinnbusrecords / Alive) aber auch elektronischer Hilfsmittel - und begeistert vor allem durch den spannungsgeladenen Sound und den bitterschönen Vocals von Sängerin Lisa von Billerbeck. Leise knisternd, langsam wabernd, mal tempoaufnehmend, mal ausbremsend: So spannt "Circle The Yes" einen sehnsuchtsgetriebenen aber niemals traurigen Bogen zwischen aufblitzender Spielfreude und zurückgezogener Melancholie. Und all das garniert mit unaufgeregten Vocals und gemäßigtem Elektronik-Einsatz. Einfach schön und genau das richtige für all die Wärmesuchenden - auf dem Sofa, unter der Decke, mit bollernder Heizung und bei schwerem Rotwein. Da wird sogar der nass-graue Herbst zur schönen Jahreszeit.

Die Kombination tragisch-schön umschreibt das Album von Port O´ Brien wohl am schnellsten. Aber welche Tragödie die Geschichte dieses Albums begleitet hat, vermögen wohl nur die wenigsten Bands zu verkraften und derart beeindruckend verarbeiten. Der Tod von Cambria Goodwin´s jüngerem Bruder hat "Threadbare" (City Slang) mitten im Aufnahmeprozess in ein Album in eigentlich zwei Thementeilen entwickeln lassen. Während die eine Hälfte der Songs in einer Art Homestudio entstanden und in ihrer fragilen Intimität geprägt sind von Trauer und der Suche nach Trost, kippt der Rest der Song über diese Kante und vermittelt in altbekannter typische Port O´ Brien-Art mit selig-beschwingten Hymnen und wohltuenden Tempo-Nummern Lebenslust und Optimismus. Ein vielschichtiges, emotionales und bei all der Tragik dennoch positives Album, das noch dazu in seiner Entstehung so traurig und im Ergebnis so wunderschön ist, dass man da gar nicht weiter drüber nachdenken mag. Bleibt nur zu hoffen, dass die Zeit - und Musik - alle Wunden heilt. Ein Album wie "Threadbare" ist sicherlich so ein Fall.

Samstag, 17. Oktober 2009

Alec Empire: Zwei Gratissongs und Tour-Trailer

Gerade zurück von der Tour mit Trent Reznor und den Nine Inch Nails, startet in den nächsten Tagen die "The Past – The Present – The Future Tour 2009" von Alec Empire. Was den Konzertgänger dort genau erwartet, erläutert Mr. Empire gerne selbst in einem kurzen Tour-Trailer:



Als Bonus oben drauf verschenkt Alec Empire noch 2 Tracks seiner aktuellen EP "Shivers". Zum einen die Single "1000 Eyes", zum anderen eine Live-Version von "If You Live Or Die". Beide Songs kann man kostenlos auf Alecs Blog herunterladen:

Alec Empire The Past – The Present - The Future Tour 2009
17.10.2009 Hannover, Indiego Glocksee
20.10.2009 Essen, Grend
21.10.2009 Köln, Underground
22.10.2009 Hamburg, Logo
23.10.2009 Berlin, K17
24.10.2009 Cottbus, Gladhouse
28.10.2009 A-Linz, Stadtwerkstatt
29.10.2009 A-Wien, Szene
30.10.2009 Ingolstadt, Paradox
31.10.2009 Leipzig, Lagerhof

Dienstag, 13. Oktober 2009

Reviews aus der Umzugskiste - Teil 1: Punkrock. Rock. And Beyond.

Immer wieder erstaunlich, was an einem Umzug so alles dranhängt: Nicht nur das Packen, Schleppen und Wiederausräumen - nein, auch so bleibt einiges liegen. Umso erfreulicher, wenn man die Kiste mit den aufgelaufenen Promos er letzten gut 3 Wochen unter die Finger bekommt.

Da macht ein Umzugs-Review-Special durchaus Sinn. Deshalb heute unter dem Motto "Reviews aus der Umzugskiste, Teil 1: Punkrock. Rock. And Beyond".

Relativ einfach machen mir Strung Out den Einstieg mit ihrem siebten Album "Agents Of The Underground (Fatwreck / SPV), gibt es doch scheinbar wenigstens ein paar Sachen, auf die man sich bei all dem privaten Wechselgefühlen noch verlassen kann. Emotionaler, hoch energetischer Punkrock, dem man ganz vereinzelt die Wurzeln des Hardcore anmerkt. Umgesetzt mit den charakteristisch-druckvollen Vocals und einer Meldodiedichte, für die man die fünf Jungs zu ihrem 20-jährigen Bandjubiläum nur bewundern und beglückwünschen kann - zumal sie ihren Sound einmal mehr weiterentwickeln konnten. 1A-Punkrock für Fortgeschrittene.

Aus dem gleichen Haus - aber ganz anders im Ansatz dagegen Teenage Bottlerocket, die mir mit ihrem dritten Album "They Came From The Shadows" (Fatwreck / SPV), das erste Mal unter die Augen kommen. In den USA anscheinend schon eine ganz große Nummer zwischen Geheimtipp und Szene-Abfeierei, treffen die Vier aus Wyoming in ihrer erfrischenden Mischung aus klassischem Punkrock, Skatepunk und unter Vereinnahmung diverser weiterer Stile sofort den Nerv. Extrem unterhaltsam, kurzweilig und auf den Punkt. "They Came From The Shadows" schlägt mit der gelungen Mischung aus Punkpop und klassischem Punkrock im ersten Umlauf ein - und erklärt, warum die Jungs über dem Teich schon als nächstes Ding gehandelt werden. Wohl zurecht.

Da bietet sich doch eine schöne Überleitung an, da Teenage Bottlerocket sich ihren Szene-Ruhm auch als Support der Cobra Skulls erspielt haben. Deren zweites Album "American Rubicon" (Gunner Records) packt nochmal all das drauf, was die Jungs oben nach Skate-Punk noch an Platz lassen: Folk-Punk, Rockabilly, Ska und Crust (naja...). Hört sich auf dem Papier nach großer Spielfreude an - und genau das trifft den Nagel auf den Kopf. Nicht umsonst kommen da Anleihen an großartige Bands wie Against Me! oder den von mir ewig-verehrten Mad Caddies auf. Vielleicht in der Tiefe nicht ganz vergleichbar, vermitteln einige Songs doch sehr an Poppunk-Kirmes, aber das muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Melodisch, frech, kurzweilig, abwechlsungsreich - Punkrock-Herz was willst du mehr?

Eben. Und deswegen begeben wir uns beim Kramen in den Untiefen der Umzugskiste vom Punkrock in Richtung Rock. Oder wie im Fall von The Assassinations eher in Richtung Rock´n´Roll. Oder Garage-Rock, vielleicht. Nein, doch Noise-Rock. Zugegeben, "Future Blasts From the Pasts" (Hashishin Records / Cargo) bietet all das, was ich unter dem Titel "futuristisch-hypnotischer Schweine-Rock" laufen lassen würde. Nicht, dass ich diesen Titel bis dato schonmal vergeben hätte. Aber ehrlich, "Future Blasts From the Pasts" ist eine derbes Stück Musik, das mindestens so herausfordernd wie mitreißend ist. Einmal darauf eingelassen wird man mitgerissen von einer herben Rock-Collage, die aus Drogen, Farben, Glam, Gaga-Pop und Begeisterung zu bestehen scheint und einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Label-Info spricht von "Filmmusik", eigentlich ganz clever und passend - nur der Film muss wohl erst noch produziert werden. Denn auf die Schnelle ist schwer beschreibbar, was da die Berliner Frontsau Ghazi Barakat veranstaltet: Muss man gehört haben. Mick Jagger in seinen wildesten Jahren würde jedenfalls seine Freude daran haben. Hut ab!

Da macht es doch Sinn, dass es zum Ende der Punk/Rock-Kiste wenigstens etwas überschaulicher wird: Airpeople bieten nach all dem Wahnsinn fast schon geordnetes Chaos, denn ihr Album "The Golden City" (Golden Antenna) kommt als waschechtes Konzept-Album daher. Jedenfalls was die Auswahl der Songtitel angeht: Hier definiert sich die Reise über diverse Städtenamen, wobei sich mir die Auswahl aus Amsterdam, San Jose, Saigon, Glasgow und diversen Anderen nicht erschließen mag. Aber vielleicht lenkt so was auch zu arg ab. Der Fokus sollte doch wo anders liegen. Hier vornehmlich im Ausweiden der Tiefen des - mir manchmal zu sperrigen und abstrakten - Post-Rock. Aber: Die neun Akustik-Nummern auf "The Golden City" wälzen zwar mit Gitarren-Landschaften und Drum-Walls über den Hörer hinweg, vermögen es aber ihn an die Hand zu nehmen. Airpeople verstehen sich als gekonnte Flugbegleiter auf groß arrangierten Soundteppichen, die dem Hörer alle Aufmerksamkeit abverlangen und mit Laut-Leise-Momenten, Tempo-Wechseln und Melodie-Explosionen belohnen. Kurzweilig, spannend und empfehlenswert.

Ach, da passt es ja, dass lifesoundsreal die Tour von Airpeople präsentiert und zu diesem Anlass gleich 3 Exemplar von "The Golden City" verlost. Alle weiteren Infos findet ihr hier.

Montag, 12. Oktober 2009

lifesoundsreal präsentiert die Tour von Airpeople: Gewinnt das Album "The Golden City"!

Aufgepasst: lifesoundsreal präsentiert Airpeople auf Tour und verlost aus diesem Anlass 3 x das aktuelle Album "The Golden City"! Um eines der Alben zu gewinnen, schreibt einfach eine Mail mit dem Betreff "Airpeople" an lifesoundsreal.

Airpeople Tour 2009:
17.10.2009 Köln, Limes
18.10.2009 Berlin, NBI w/ Junius
20.10.2009 Hamburg, Astra Stube
21.10.2009 Münster, Amp
22.10.2009 Freiburg, KTS w/ Polite Sleeper
23.10.2009 Nancy (F), Soapbox Club
24.10.2009 Bremen, G 18 w/ Polite Sleeper
25.10.2009 Den Helder, De Bliksem
28.10.2009 Frankfurt, Clubkeller
29.10.2009 Bolzano (I), Papperlapapp
30.10.2009 Esslingen, Komma
31.10.2009 Saarbrücken, Das Modul w/ Ten Volt Shoc

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Review: Jochen Distelmeyer - Heavy (CD)

Sony Music Entertainment / Columbia

Bei manchen Bands oder Alben lohnt es sich gar nicht, sich in einer Review über Biografien und Band-Historien auszulassen: Entweder weil sie eh altbekannt sind - oder weil sie nur zu lästig-kontroversen Diskussionen führen würden. Mögen, oder nicht mögen - darum geht´s nämlich.
Das ist vielleicht bei Coldplay so und ganz sicher auch bei Jochen Distelmeyer. Der Kopfmensch aus alten Blumfeld-Zeiten verortet sich selbst und sein Musikverständnis neu im Universum. Inhaltlich folgt Distelmeyer den Weg, den er bekannt ist (war) zu gehen: Unbeirrbar, mutig, definiert. Und das erstaunliche ist: Selbst ein Opener wie "Regen", der in seiner A Capella-Art so nackt, so einfach, so verletzlich - und eben so angreifbar daherkommt, kann man Distelmeyer sofort verzeihen.
Denn das ist seine Art mit der Tür ins Haus zu fallen, Emotionen zu wecken und Aufmerksamkeit auf sich und seine Musik zu lenken. Und viel genialer noch: Alles was danach kommt macht Sinn und vollendet ein Werk, das bei Virginia Jetzt! eher gemischte Assoziationen zwischen Kirmes- und Kitschpop weckt, während "Heavy" zugleich den Finger in die Wunde legen und selbige heilen vermag.
Sicher sind Songs wie "Wohin mit dem Hass" oder "Hinter der Musik" auch irgendwie rockig-bemüht und bilden eigentlich nur den roten Teppich für die nächste große Gefühlstiefe, die Distelmeyer so übermäßig-naiv wie genial vor dem Hörer ausbreitet. Vielleicht sind auf "Heavy" nicht die großen Melodien zu finden, aber dafür immer das wahnsinnige Händchen für wortgewaltige Lyrics, die in ihrem charakteristischen Erzähltonfall eindringlich und beiläufig zugleich daherkommen.
Und wer mit "Lass Uns Liebe Sein" einen echten Übersong geschaffen hat und schon allein damit alle Zweifel derartig gelassen und gleichzeitig intensiv wegwischt, den kann eh jegliche Diskussion zwischen Blumfeld-Ende und Solokünstler-Beginn kalt lassen. Ein tolles Album, auf das man sich einlassen muss. Wie man sich auch auf den Künstler Distelmeyer einlassen muss. Vorausgesetzt man mag ihn. Oder Blumfeld.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Port O´ Brien Update: Album, Tourdaten und Video

Kaum ist mit der Veröffentlichung des neuen Albums "Threadbare" von Port O´Brien die Pflichtaufgabe gekonnt über die Bühne gebracht - folgt schon die Kür auf selbiger. Port O´Brien touren im Dezember durch Europa, hier sind die Deutschlanddaten:

Port O´Brien Tour 2009
30.11.2009 Hamburg - Molotov
01.12.2009 Köln - Gebäude 9
02.12.2009 München - Feierwerk
03.12.2009 Schorndorf - Manufaktur
04.12.2009 Berlin . Lido

Hier als Einstimmung übrigens noch das aktuelle Video zu "My Will Is Good" und einige Aufnahmen vom Showcase aus der Bar 25:



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