Montag, 30. November 2009

Review: Andrew Vladeck - The Wheel (CD)

End Up Records

Heute mal was ganz Neues: Andrew Vladeck ist ein Singer/Songwriter aus New York, der hierzulande noch kaum in Erscheinung getreten ist. Zu Unrecht wie ich finde. Denn sein Album "The Wheel" ist ein gelungenes Gesamtwerk des modernen Folk und Roots-Rock von klassisch-amerikanischer Prägung.
So glänzt Andrew Vladeck insbesondere in seiner bodenständigen aber nicht unaufgeregten Art mit zurückhaltender Instrumentierung seine Songs in Geschichten zu verwandeln. Klar ist dabei seine Gitarre das vordergründigste Instrument, aber auch das Banjo darf das ingesamt sehr gemächliche und countryeske Gefährt um einigen Schwung erweitern. Dazu die intelligent-charmanten Lyrics, beherrschte Vocals und ein akurates Songwriting. Sehr erwachsen und ausgegoren das Ganze.
Ein Genre-Neulinge - wie ich es nunmal bin - denkt nach dem ersten Durchlauf von "The Wheel" in seiner naiv-unwissenden Art erstmal an Bob Dylan - und dann an Bruce Springsteen. Und ungeachtet ob der Frage, wer mir nach der Einschätzung alles böse sein könnte oder sich geschmeichelt fühlen dürfte, ist relativ schnell klar, dass Andrew Vladeck etwas wunderbares gelungen ist: Nämlich den gedanklichen Staub von meiner Vorstellung des spröden, in seinem eigenen Saft garenden amerikanischen Folk-Rock wegzupusten und mit den 13 Songs von "The Wheel" eine neue Genre-Ecke in meinem CD-Regal (und in meinem Herzen) einzurichten. Das sollte als Urteil erstmal reichen - auch und gerade weil es nicht von einem Americana-Experten sondern von einem Roots-Newbie kommt.

Dienstag, 24. November 2009

Review: William Fitzsimmons - The Sparrow And The Crow (CD)

Grönland Records / Cargo Records

"Was für ein Bart! Was für eine Biografie! Was für ein Künstler": Das wäre wohl die einfachste aber auch treffendste Art William Fitzsimmons mit seinem Album "The Sparrow And The Crow" zu charakterisieren. Und tatsächlich ist das erste Studioalbum von William Fitzsimmons die Aufarbeitung seiner eigener Biografie und dabei ein herzschmerztiefes Zeugnis beeindruckender Singer/Songwriter-Kunst.
Schon die Lebensumstände des Herren aus Pennsylvania lässt so manchen Biografie-Schreiberling vor Neid erblassen. Denn als Sohn blinder Eltern war eine enge Bindung zur Musik für William Fitzsimmons wohl nur allzu verständlich. Und als gelernter Psychotherapeut sind gerade ihm die Möglichkeiten der Musik als Heil- aber auch Schmerzmittel umso bekannter. Aber dem nicht genug: In seinem eigenen Leben hat er sich nach der Scheidung von seiner Frau scheinbar mit "The Sparrow And The Crow" selbst therapieren müssen.
Genug dramaturgischer Stoff also - und so wundert es nicht, dass Fitzsimmons mit den ersten Takten schon die Melancholie in Stimme, Instrumentierung und Lyrics trägt: Trennung, Schmerz, Liebe, Kummer. Das klingt erst nach schwerer Kost, und das ist es tatsächlich dann auch. Getragene Melodien, sanfte Vocals, zaghafte Instrumentierung, brüchige Atmosphäre, während die Texte mal lyrisch-tief, mal eher simpel-naiv daherkommen. Unterstützt wird Fitzsimmons hier und da von weiblichen Backvocals und im Refrain. Aber im Grunde ist alles reduziert und fokusiert auf Eines: Den Künstler und seine Musik als Selbstzweck. Mehr braucht es ja manchmal nicht. Ein gelungenes, stimmiges Singer/Songwriter-Album, das insbesondere durch seine beklemmende Atmosphäre und sein Gesamtmotiv mitzureißen vermag.

Sonntag, 22. November 2009

Review: V/A - Die Verhältnisse Rocken - 10 Jahre Attac (CD)

Rookie Records / Cargo

Attac wird zehn Jahre alt - ein guter Anlass wie man meinen könnte, um ein Zwischenfazit zu ziehen. Nix da! Denn Attac würde sich selbst nicht treu bleiben, wenn man diesen Anlass nicht etwa zur Eigenlobhudelei nutzt, sondern ganz subtil aber bestimmt den Finger in die Wunden der weiterhin runinösen Verhältnisse in Politik, Wirtschaft, Umwelt und der Gesellschaft legt.
So geschehen mit dem Sampler "Die Verhältnisse rocken - 10 Jahre Attac", zu dem eine ganze Reihe namhafter Bands und Künstler einen Song beigesteuert haben. Und die meisten haben es auch nicht dabei belassen, irgendeinen x-beliebigen Track aus der aktuellen Album-Rotation zu fischen: Nein, die 15 Songs sind zumeist bisher unveröffentlichte oder in exklusiven Versionen oder Remixes bereitgestellte Stücke der einzelnen Beteiligten. So haben es sich z. B. die Sportfreunde Stiller, Spillsbury, Bela B., die Donots, Die Sterne, Jan Delay oder etwa New Model Army nicht nehmen lassen, Attac einen Song zum Jubiläum zu schenken und vereint auf dem Sampler ein deutliches Zeichen ihrer Unterstützung zu setzen.
Musik hören - und Gutes tun. Oder wenigstens darüber nachdenken und sich damit beschäftigen, wie man die Verhältnisse in diesem Land oder der globalisierten Welt noch ändern kann. Das ist die unaufdringliche Motivation und Aussage dieser Compilation, die mit ihrer gelungenen Song-Mischung zum einen extrem gut zu Unterhalten weiß, und auf der anderen Seite vielleicht den ein oder anderen doch dazu veranlasst, seinen Arsch zu bewegen - und die Verhältnisse zu rocken. Dann wäre ja schon einiges erreicht.

Freitag, 20. November 2009

Snapshot-Review: NOFX - Cokie The Clown (EP)

Neu im Angebot: Die Snapshot-Review - d.h. frisch im Briefkasten, kurz reingehört und eine erste Meinung gebildet.

NOFX - Cokie The Clown (EP)
Vier Songs auf hohem NOFX-Standard, die es aber nicht auf das Vorgänger-Album "Coaster" geschafft haben. Dazu mit "My Orphan Year" eine Akustik-Nummer, in der Fat Mike sein Abschied (und vielleicht wohl auch sein Gewissen) zum Tod seiner Eltern verarbeitet. Naja, und wer meine demütige Haltung zu NOFX kennt, weiß wieviel Klos-im-Hals das für mich bedeutet - übrigens ganz abgesehen davon, dass sich ein Fatwreck- und NOFX-Abschied anzukündigen scheint. Rein vom Gefühl her - oder warum steht uns in Kürze eine "Wrecktrospective" bevor.

Mittwoch, 18. November 2009

12.12.2009, Zwingerkeller (Nürnberg): Sellfish tanzt vs. Robocop Kraus DJ Team (Weihnachtsspecial)

Kann man einen Anlass, der sich seit drei Jahren wiederholt, schon Tradition nennen? Und ist Tradition nicht eigentlich ein ganz furchtbares Wort? Wie dem auch sei, wir haben uns jedenfalls auch in diesem Jahr zur „Weihnachtsausgabe“ von sellfish tanzt Gast-DJs eingeladen.

Diesmal handelt es sich um das Robocop Kraus DJ-Team, das mit uns die schönsten Perlen aus 327 Jahren Pop-Geschichte auflegen wird. Eigentlich haben sie sich ja selbst eingeladen, aber wer hätte dieses Angebot schon ausgeschlagen?

Ganz bestimmt gibt es auch in diesem Jahr den hässlichsten Weihnachtsbaum der Stadt, verfrühte Weihnachtspräsente für die ersten Gäste des Abends und vielleicht kleben wir uns ja sogar weiße Rauschebärte an... Findet es doch einfach selbst raus.

sellfish tanzt vs. Robocop Kraus-DJ Team
Samstag, 12.12.2009
ab 23 Uhr
Zwingerkeller, Lorenzer Straße 33, Nürnberg
file under: Indie, Elektro, Post-Punk, Pop

Sonntag, 15. November 2009

Review: Kings Of Leon - Only By The Night / Live At The O2 Arena London (DVD)

Sony Music

Lebkuchen im September, Nikoläuse im Oktober und bereits ein beeindruckendes Arsenal an Best-Of- und Live-Alben in den Regalen der Musikgeschäfte. Jetzt merkt wohl auch der letzte, dass das Weihnachtsfestgeschäft vor der Tür steht. Aber von der Konsumschelte mal abgesehen, beschert uns das letzte Quartal des Jahres doch immerhin regelmäßig einige besonders schöne Perlen aus der vorvergangenen Veröffentlichungsflut. So auch bei den Kings Of Leon, die ihr Konzert in der Londoner O2-Arena für die Produktion einer beeindruckenden Live-DVD genutzt haben. Beeindruckend insbesondere ob der Songvielfalt und des technischen Standards aus Produktion, Schnitt und Sound.
Leider etwas reduziert dagegen die Ausstattung der eigentlichen DVD: Zwar begeistern die vier Jungs aus Tennesse über zwei Stunden (140 Min.) ihre Zuhörerschaft, legen aber nichts an Bonus-Material oder sonstiger Fan-Bespaßung auf dem Silberling bei. Etwas schwach wie ich finde. Wenn man es positiv sehen möchte, kann man sich wenigstens voll auf das Konzert und die Live-Qualitäten der Followill-Sippe konzentrieren.
Und das ist auch für sich allein schon beeindruckend, mit welcher Kraft und Dichte die Kings Of Leon performen. Da braucht es auch keiner großen Ansagen. 'Shut up and play' scheint wohl das Motto zu sein und so startet die DVD ohne große Worte aber dafür statusgemäß mit den aktuellen Hits "Notion" und "Be Somebody". Natürlich finden sich bei 22 (!) Tracks auch geniale Songs aus vergangenen Alben, aber erwartungsgemäß laut wird es bei "Closer", "Sex On Fire" oder "Use Somebody" aus dem Über-Album "Only By The Night". Die Bekanntheit und Begeisterung ist auch nicht ganz verwunderlich, sind die Kings Of Leon nach ihrem letzten Album doch längst von der Konsum-Welle überrollt worden - bedienen sich doch inzwischen selbst Fernsehsender der Songgewalt der Kings Of Leon um ihre geschmacklosen Doku-Soaps und Blockbuster-Trailer musikalisch-frisch begleiten zu können.
Nun gut, bevor es wieder zu moralisch wird: Für die objektive Bewertung des reinen Live-Vergnügens bei "Only By The Night - Live At The O2 Arena" lässt sich ohne Bedenken die absolute höchsten Punktzahl zücken. Ein pures und intensives Konzerterlebnis einer genialen Band, das ob der etwas schwach ausgestatteten DVD wohl nur als besonderes Schmanckerl von Kings Of Leon-Fans und Konzertliebhabern seinen Weg unter dem Weihnachtsbaum finden wird.

Mittwoch, 11. November 2009

Review: Dead To Me - African Elephants (CD)

Fatwreck / SPV

Also ganz ehrlich: Diesmal hat mich das neue Album von Dead To Me doch glatt auf dem falschen Fuß erwischt. Denn wer bei "African Elephants" mit einem klassischen Nachfolger -Album zu "Cuban Ballerina" oder der "Little Brothers“-EP gerechnet hatte, der hat sich mal richtig geschnitten.
Schon der Opener ("X") verzückt und verwirrt zugleich: Dub, Reggae-Anleihen, entspannnter Pop-Punk. Sind das Dead To Me, eine Neuerfindung ihrerselbst oder schon eine andere Band? Und die Frage, ob diese Entwicklung letztendlich der Reduzierung im Line-Up (Sänger Jack Dalrymple nimmt eine Auszeit, die Band macht als Trio weiter) oder einer wie auch immer gearteten musikalischen Eingebung geschuldet war, muss wohl erstmal so im Raum stehen bleiben. Aber von dieser leichten Verwirrung mal abgesehen ist "African Elephants" ein ausgezeichnetes, weil höchst facettenreiches Album: Punkpop, 80er-Jahre-Punkrock, Rock und Grunge ("Blue").
Das heißt in der Konsequenz aber auch endgültig der Abschied von den (damals schon sehr entfernt wahrnehmbaren) Hardcore-Wurzeln aus "Cuban Ballerina"-Zeiten. Irgendwie schade, aber dafür genial kompensiert - und ins Gegenteil verkehrt: Poppunk, der zum Glück nicht zu glatt produziert ist, und dabei durch eingestreute dubbigen, reggae-esken und rockigen Highlights im Songwriting immer abwechslungsreich ist und überraschen vermag. Hört sich für manche etwas heterogen an, macht aber über die gesamte Spielzeit absoluten Sinn. Ein durch seine Stil- und Tempowechsel in sich changierendes Album einer Band, die sich wohl grad neu erfunden hat. So ausgelutscht der Begriff auch sein mag - selten war er so treffend wie bei Dead To Me.

Samstag, 7. November 2009

Review-Special: Bestandsaufnahme November 2009

Manchmal bleiben bei all dem Alltagsstress für manche Sachen keine Zeit: Den musikalischen Horizont zu erweitern, zum Beispiel. Und darüber zu schreiben. Dürfte eigentlich nicht sein - und deswegen gibt es ab sofort ein weitere Review-Special-Reihe, diesmal als genreübergreifendes Mash-Up und ab sofort unter dem Motto "Bestandsaufnahme", hier: November 2009.

Den Anfang machen die beNUTS, die mich schon länger begleiten und die nach 15 Jahren Bandgeschichte mit "Shut Up An Dance" (GLM / Soulfood) bereits ihr siebtes Studio-Album vorweisen können. Und immer wieder erstaunlich, dass man beim Durchhören der vierzehn Ska-Kracher an alles denkt, aber nicht unbedingt an eine Combo aus München. Aus München! Und diesmal ist der Effekt ganz besonders: Denn für das neue Album haben die beNUTS ihren Sound vollends internationalisiert. Nicht weniger als acht Sprachen haben ihren Weg ins Songwriting gefunden, und auch so ist der Sound nochmal aufgeweitet worden: Vom reinen Ska-Gehüpfdohle war die acht-köpfige Formation zum Glück eh schon längst weit entfernt und hat nun ihrem Sound noch mit Jazz, Rock, Folk, Polka und Punkrock einen spannenden, etxtrem tanzbaren letzten Schliff gegeben. Worldmusic-Ska also irgendwie - und damit dürfen sich beNUTS nicht nur mit dem Titel der "besten deutschen Ska-Band" (DRMV) schmücken, sondern können sich ohne Zweifel auch als "internationalste Ska-Band der Welt" bezeichnen. Da gebe ich der Promo-Info recht, ebenso wie man mit dem neuen Album getrost dessen Titel "Shut Up An Dance" als Motto nehmen und unaufgefordert Folge leisten kann.

Vollkommen neu sind mir dagegen Marvins Revolt aus dem schön-weiten Ländchen Dänemark, das sich offensichtlich seinem skandinavischen Nachbarn Schweden annähert - zumindest was die wohl bei der Geburt besonders kräftig ausgeprägten musikalischen Rock-Adern angeht. Ihr bereits drittes Studio-Album "Patrolling The Heights" (Play/Rec / Cargo) ist nämlich ein Rock-Album im positivsten Sinne: dichter und kräftiger Sound, mit der richtigen Mischung aus Melodien und - das ist besonders lobenswert - einem etwas noisigen Ansatz, der hier und da mal ausbricht, sich in Sound-Landschaften verfranst und dann in rohes aber geordnetes Chaos mündet. Hört sich im ersten Moment schwer nach Prog- und Post-Rock anhört. Und wem sich bei diesen Begriffs-Schubladen die Zehennägel aufrollen, der macht mit Bands wie Marvins Revolt alles richtig: Moderner, innovativer und spannungsgeladener Rock. So einfach kann das manchmal sein - und aus Dänemark.

Und wenn wir grad schon in der Post- und Prog-Rock-Schublade kramen und rumräumen: Da passen nämlich IRA mit ihrem zweiten Album "Visions Of A Landscape" (Golden Antenna / Brokensilence) gleich zweimal rein. Und auch sonst fügt sich die Münsteraner Combo einwandfrei ins Bild des gepflegt-sperrigen Breitwand-Rocks. Die im Genre einschlägig bekannten und allseits zitierten Hardcore- und Punk-Wurzeln, höre ich zwar auch in diesem Fall nicht wirklich raus (ein Phänomen das mir weiterhin zu denken gibt), aber das ist ja auch zweitranging. Denn in erster Linie machen IRA groß angelegten, epischen Rock - die Spielzeit von fast einer Stunde bei sechs Tracks belegt diese These -, der mal ausufernd aber nie überfordernd den Hörer in den Bann zieht. Melancholisch, fragmentartig, zurückhaltend mit Vocals, schaffen die Songs genau das was der Titel "Visions Of A Landscape" als Soundteppich verspricht: Pathetischer, atmosphärischer Rock mit der Ehrlichkeit der Melodie und dem Anspruch, mit der kreativen Weitläufigkeit den Hörer mitzureißen und nicht zu überfordern. Und das ist absolut gelungen.

Wer dagegen seine Hardcore- und Punk-Phase gar nicht erst überwinden und weiterverarbeiten muss, sind die Jungs von Landmines aus Richmond (VA) - die stecken nämlich mitten drin und scheinen sich dabei auch sehr wohl zu fühlen. Ganz in der Tradition von Genre-Helden wie Strike Anywhere oder Avail schlägt ihr selbstbetiteltes Debütalbum (Gunner Records) schon mit den ersten Takten ein und lässt schnell klar werden, wie der Hase läuft: Treibende Gitarren, knallende Drums, catchy Melodien, markige Vocals und Shouts im Refrain. Schnell, hart und auf den Punkt. So muss es sein und beweist einmal mehr, dass Amerika immer noch die Nase vorn hat in der anhaltenden Bandflut des klassischen Hardcore/Punks. Besonders zu empfehlen ist das Album aber nicht nur aufgrund seines hervorragenden Sounds - produziert wurde es von Brian Mc Terran (Hot Water Music, The Loved Ones u.a.) - sondern auch, weil es zum eigentlichen Debütalbum noch eine EP oben drauf gibt. 18 Songs auf einer CD, was will man zur Zeiten der Wirtschaftskrise mehr? Eben. Und genau deshalb machen Landmines gleich noch mehr Spaß: Leidenschaftlicher, roher und ehrlicher Hardcore-Punkrock in Überlänge. Mehr davon!

Etwas vom Gaspedal gehen dafür For Arkadia, die mit ihrem ebenfalls selbstbetitelten Debütalbum (Millipede Records /Broken Silence) ein Musikstil-Hopping der gelungenen Art hinlegen. In erster Linie Rock, aber irgendwie auch nicht. Denn die (im Sinne ihres Gründungsdatums) junge Band aus dem musikalisch zwar kreativem aber bandmäßig doch eher frugal ausgestattetem Raum Nürnberg/Fürth kombiniert wild aber mit Verstand Wave, Noise und Post-Rock-Anleihen zu einem prachtvollen Indiepop-Mash-Up der sich gewaschen hat. Um es griffiger zu machen und zum Schubladeneinordnen nennt uns die Label-Info Bands wie Girls Against Boys, Interpol oder die frühen U2. Mag zutreffen, ist aber auch eher irreführend. Zu speziell-eigensinnig ist der Sound der vier Herren aus Nürnberg. Zu sechs Songs (die es auf immerhin fast eine halbe Stunde Spielzeit bringen) hat es auf deren Debüt gereicht - leider, muss man fast sagen: Denn selten haben sich ein paar Songs so kraftvoll und spannend zwischen Geschrammel und großen Rock-Posen entwickelt wie bei For Arkadia. Und das meine ich nicht etwa allein aus lokalpatriotischen Motiven heraus. Nein, ich bin einfach gespannt wie weit es für For Arkadia geht. Denn die Grundvoraussetzungen sind schon mal hervorragend.

Donnerstag, 5. November 2009

06.11.2009, Hirsch (Nürnberg): Easy Star All-Stars

Wer sich an die Beatles wagt und dann auch noch d a s Album der Beatles covert, der muss verrückt sein. So scheinbar geschehen bei den Easy Star All-Stars: Sie haben eine gelungene Reggae-Version von „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" eingespielt, genau wie sie vorher mit „Dub Side Of The Moon" bewiesen haben, dass man auch zu Pink Floyd grooven kann und mit „Radiodread" natürlich Radiohead auf ein Riddim-Fundament gestellt haben.

Ein wahnsinniges Projekt, das die Easy Star All-Stars auf die Beine gestellt haben. Die unzähligen Mitglieder, Mitmusiker und Mitstreiter der Band lesen sich wie das Who is Who der New Yorker Reggae-, Ska-, Dub- und Jazz-Szene. Und nachdem sie schon überall gespielt haben, von den kleinen Clubs bis in die großen Hallen, geht es jetzt auf Welttournee. Und was bisher noch als unmöglich zu gelten hatte, schaffen die Easy Star All-Stars spielend: Reggae-Fans, Classic-Rock-Fans, Dub-Fans und Indie-Rock-Fans gemeinsam vor der Bühne zum Tanzen zu bringen.

Von dem Groove, mit dem die All-Stars die Beatles (und andere) in Dub übersetzt haben, kann man sich am Freitag, den 6. November 2009 im Nürnberger "Hirsch" überzeugen. Wem dieser Termin zu kurzfristig ist, hat immerhin noch zwei andere Möglichkeiten, die Reggae-Kombo live zu erleben.

Easy Star All-Stars Tour 2009
05.11.2009 Köln - Stadtgarten
06.11.2009 Nürnberg - Hirsch
07.11.2009 Berlin - Glashaus der Arena
08.11.2009 Hamburg - Knust

Dienstag, 3. November 2009

07.11.2009, Zwingerkeller (Nürnberg): Sellfish tanzt!

Nachdem uns die Stille-Feiertage-Mafia im November nur einen einzigen Samstag zum Tanzen übrig lässt, gibt es die Shambelei eben mal eine Woche früher als gewohnt. "Wir sind dann mal UNTEN", so lautet diesmal das Motto und wer dabei einen luftballonmäßigen Querverweis auf einen Animationsfilm, der aktuell in den Kinos läuft, entdeckt, liegt gar nicht so verkehrt.

Musikalisch soll so ziemlich alles möglich sein, ohne sich dabei aber dem Massengeschmack anbiedern zu müssen. „Die Hits neben den Hits“, lautet das Motto. Die Anlage wird nicht mit den üblichen Hypes gefüttert, sondern ausschließlich mit den eigenen Lieblingsplatten. Was nicht gefällt, wird nicht gespielt, der Indie-Ballermann bleibt weitestgehend außen vor. Aufgelegt werden neben ein paar ausgewählten Singles vor allem Albumtracks, die viel zu selten in Discos gespielt werden oder auch Bands, die es bei den üblichen Tanzveranstaltungen nicht mal in den Plattenkoffer des DJs schaffen würden. Wer Schubladen braucht, soll sie haben: Indie, Schrammelpop, Elektro, Heartcore heißen die Koordinaten. Was das konkret bedeutet, könnt ihr immer mal wieder in unserem Blog auf unserer MySpace-Seite nachlesen.

Sonntag, 1. November 2009

Review: Gogol Bordello - Live From Axis Mundi (CD/DVD)

Sideonedummy Records / Cargo

Also entweder ist Eugene Hütz, seines Zeichens Frontman von Gogol Bordello, ein Arbeitstier besonderer Güte oder ihm ist einfach nur langweilig. Sonst hätte er sich nämlich erst einmal auch auf seinem Erfolg ausruhen können: Ausverkaufte Touren, sämtliche Festivals gerockt, von Madonna geadelt ("La Isla Bonita" bei Live Earth) und neuerdings auch Film- und Hauptdarsteller u.a. an der Seite von Elijah Wood in "Alles Ist Erleuchtet".
Umso erstaunlicher, dass die chaotischen Vorzeige-Gipsy-Punks die kreative Arbeit nicht zu vernachlässigen scheinen: Denn bevor bereits Anfang 2010 in Zusammenarbeit mit Produzenten-Genie Rick Rubin der Nachfoger zu "Super Taranta" (2007) folgt, schieben Gogol Bordello mal eben noch das Live-Album "Live From Axis Mundis" nach. Das Besondere dabei ist hier aber nicht nur die DVD mit einem Konzertmitschnitt aus dem Irving Plaza in ihrer Heimatstadt New York, der mit spitzen Sound, energiegeladeneder Show und über eine Stunde Bonus-Material überzeugen kann. Nein, fast noch schöner ist die zusätzliche Live-CD, zu dem die altehrwürdige BBC in Form von exklusiven Live Session-Aufnahmen ein paar richtige Schätze beigetragen hat. Neben den zuvor nur einmalig ausgestrahlten Aufnahmen und einigen weiteren Songs aus Live-Sessions ist auch noch ein bisher unveröffentlichter Albumtrack zu finden. Eine extrem runde Sache also.
Absolut empfehlenswert, sowohl für eingefleischte Fans aber auch diejenigen, die sich nach dem ganzen Hype der um Gogol Bordello entstand, etwas von der Band entfernt hatten. Ein schönes Live-Album zur richtigen Zeit, das wieder Appetit macht - auf Gogol Bordello und das neue Album.

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