Mittwoch, 3. Juni 2009

Glasvegas im Interview: „Es ist eigentlich eine Unverschämtheit mich so etwas zu fragen, aber…“

Ein Interview mit Glasvegas machen war nicht schwer, den schottischen Akzent zu verstehen dagegen sehr. So könnte man das Interview mit Glasvegas vielleicht zusammenfassen, das wir vor ihrem Auftritt am 8. Mai 2009 in der aus allen Nähten platzenden Registratur in München führten.

Das würde aber leider dieser famosen Band aus Glasgow nicht ganz gerecht werden. Denn der schottische Akzent ist nicht nur ein markanter Teil des charakteristischen Glasvegas-Sounds - bestehend aus durchdringenden Vocals, bedrückenden Lyrics und wuchtigen „Wall of Sound“-Arrangements - nein, er steht auch für das Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis der Band nach dem Motto „Entweder ihr mögt uns - und wenn nicht, ist es uns egal“. Dabei ist die vierköpfige Band um Sänger James Allan, dessen Cousin Rab (Gitarre), Paul Donoghue (Bass) und Caroline McKay (Drums) bei all dem Hype um ihr selbstbetiteltes Debütalbum aus dem Jahr 2008 glücklicherweise erstaunlich sympathisch und normal geblieben.
So stellte sich bei unserem Interview in entspannter Atmosphäre heraus, warum Glasvegas so verdammt stolz auf ihre Songs sind, bei welcher Frage sich Mastermind James Allan zu saftigen Ausdrücken hinreißen lässt und wie der schottischen Akzent auch als Mittel zum Zweck dienen kann.

Eure Familie war von Anfang an von eurem Erfolg überzeugt. Gab es in eurem Umfeld auch andere Stimmen?
James Allan: Naja, die meisten haben sich einfach nur wie verrückt für uns gefreut. Gleichzeitig haben uns unsere Leute aber auch geholfen am Boden zu bleiben. Natürlich kamen da auch viele Leute auf uns zu, die wir vorher nicht kannten und haben uns komische Sachen vorgeschlagen – aber das gehört anscheinend dazu, wenn man etwas Erfolg hat.

Und wenn der Erfolg nicht gekommen wäre? Was glaubt ihr, welche Jobs würdet ihr heute machen?
Paul Donoghue: Alles was irgendwie mit Rock´n´Roll zu tun hat. Und Schlafen. Ich kann den ganzen Tag schlafen. Wahrscheinlich wäre ich dann ein Schlafforscher im Schlaflabor oder so.
Caroline McKay: Ich würde mit jungen Leuten arbeiten, wie ich es auch schon vor Glasvegas getan habe.
James: Ich hab schon vor Glasvegas nicht viel gemacht, ich war arbeitslos. Wahrscheinlich würde ich mich aber irgendwie mit Musik beschäftigen. Einen Chor leiten oder so.

Ihr repräsentiert mit eurer Musik die typische Arbeiterklasse. Nach dem ganzen Wirbel um eure Band, hat sich da auch eure Einstellung geändert?
James: Nein, überhaupt nicht. Wir haben so viel erlebt die letzten Monate. Egal wo wir gespielt haben, egal mit wem - meine Einstellung spiegelt sich in unseren Songs wieder. Und daran wird sich nichts ändern.

Welcher Song auf eurem Debütalbum bedeutet euch am meisten und warum?
James: Es ist eigentlich eine Unverschämtheit mich so etwas zu fragen, weil es ist doch so: Hast du Geschwister?

Ja, einen Bruder!

James: Okay, das ist jetzt schlecht für meine Argumentation. Aber stell´ dir vor du hättest zwei Brüder. Welchen würdest du mehr mögen? Für wen würdest du dich entscheiden? Verstehst du was ich meine? Es ist einfach unmöglich sich zu entscheiden. Wir haben bei allen Songs unser Bestes gegeben, da bedeuten einem alle Songs gleich viel.
Caroline: Ich erinnere mich aber wie wir im Studio waren, dass „Daddy`s Gone“ am schwierigsten zum Einspielen war. Einfach weil es so besonders intensiv ist.

Wie wichtig ist es euch in eurem schottischen Dialekt zu singen? Was müsste passieren, dass ihr in „echtem“ Englisch singt?
James: Der Dialekt ist uns sehr wichtig. Aber ob ich mir eine Situation vorstellen könnte, in der wir ohne Dialekt singen würden? Nein, niemals!

Ist es vielleicht ein Vorteil, dass viele Leute aufgrund eures Dialekts eure Texte nicht auf Anhieb verstehen?
James: Was meinst du?

Naja, ist es vielleicht sogar ganz gut, dass sich eure Hörer mehr mit euren Lyrics auseinandersetzen müssen oder im Booklet nachlesen müssen, damit sie eure Texte verstehen?
James: Ja, das kann schon sein. Aber der schottische Akzent ist nun mal ein wichtiger Aspekt unserer Musik. Aber eigentlich ist es egal in welcher Sprache man singt, es geht allein darum was man mit seiner Musik transportiert. Wenn ich mir da den ganzen Scheiß an Pop-Songs anhöre, die da draußen kursieren…

Was macht euch mehr Spaß: Als Support von Oasis große Shows spielen oder die eigene Tour als Headliner?
Paul: Wir bevorzugen es, unsere eigenen Shows als Headliner zu spielen.
Caroline: (nickt mit dem Kopf) Yes!
James: Fuck! Das ist ganz schön Scheiße gefragt zu werden. Aber ich bevorzuge es unsere eigenen Shows zu spielen. Als Vorband von Oasis haben wir zwar in größeren Hallen vor mehr Publikum gespielt - aber die Leute warten immer auf den Headliner. Wenn du deine eigenen Shows spielst, ist alles viel kleiner. Du kannst den Leuten noch in die Augen schauen. Das mögen wir. Aber am Ende ist es uns egal, ob wir vor einer oder vor 10.000 Personen spielen, wir geben immer alles.

Wie groß glaubt ihr wird nach dem großen Erfolg eures Debütalbums der Druck für das nächste Album sein?
James: Der einzige Druck der auf uns lastet kommt von uns selbst. Was anderes interessiert uns nicht. Sicher wird das neue Album mit dem alten verglichen, und wenn es dann einige nicht mögen, ist uns das eigentlich egal. Denn wir sind stolz auf unsere Songs, sie kommen von Herzen. Wenn das Leute nicht mögen, dann ist es halt so. Wir machen uns darüber keinen Kopf.

Interview + Text: basti sellfish / drea
Fotos: drea

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