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Montag, 2. August 2010
Wortgedanken: "Das Auto." und "Der Keks." - ein Trauerspiel der Kreativität
Nicht nur, dass seit Jahren konsequent der Punkt nach dem Claim wie ein selbstgerechtes aber Understatement-heischendes Ausrufezeichen gesetzt wird (mehr über diese nervende Unverschämtheit zu einem späteren Zeitpunkt...) - nein, andere Produktmanager folgen Lemming-artig den tumben Weg des Markenbrandings: Da wird munter das Vorzeigeprodukt zum Prototypen einer gesamten Produktgattung inszeniert. Als gäbe es daneben keinen anderen Hersteller mehr.
Neuestes Beispiel: Leibniz. Die eigentlich biederen Butterkeks-Spezialisten ernennen sich selbst zum Prototypen des Keks-Daseins. Getreut dem Motto "Wir sind der Keks", oder so.
Wo bitte soll das hinführen?! Sehen wir ab sofort noch mehr Werbe-Spots mit ähnlich einfallsloser Selbstbeweihräucherung? Und was hätten wir denn da noch im Angebot: Wahrscheinlich "Nivea. Die Creme." Oder vielleicht "Tempo. Das Tuch." Und am Ende gar "Meica. Das Würstchen."?
Was ist nur mit den frechen, herausfordernden, unverbrauchten, animierenden Slogans passiert. Gibt es neue Marktforschungen, wonach die werberelevante Zielgruppe nicht mehr auf kreative Wortspiele und Claims aus dem großen Kombinationsfeld von S-P-O anspringt?
Rettet das Verb! Denn scheinbar nähert sich die Werbeindustrie einfach einem großen Teil ihres eigenen Klientels an: Nämlich dem unreflektierten Konsum einer möglichst simplen, vorgekauten veröffentlichten Meinung. Da stören zuviele Worte die Message.
"Dumm. Die Werbung."
Donnerstag, 6. Mai 2010
Wortgedanken: "Na?" - Die Konversationsunverschämtheit
Es geht um die Unverschämtheit des kleinen Wörtchens "Na" als Eröffnungsfloskel - gerne in Kombination mit einem ungehörigen Fragezeichen, oder gar unverfrorenen mit Ausrufezeichen. Aber bevor ich mich hier lange aufrege, zitiere ich einfach den Text von Autor max-scharnigg:
Wenn ich mal aus diesen blühenden Gestaden abberufen werde, daraufhin an der
Himmelspforte vor den Dr. Schöpfer treten müsste und er würde mich dort mit
einem „Na?“ empfangen, dann ginge das schon in Ordnung. Der Gott darf das. Der
hat gewissermaßen qua Amt eine solche Autorität, dass er sich zurücklehnen und
„Na?“ sagen kann und das Menschlein vor ihm erzählt darauf fromm sein ganzes
Lotterleben. Es weiß jedenfalls schon, was gemeint ist. Alle anderen dürfen das
„Na?“ aber eher nicht. Trotzdem hat es heute das „Wie geht’s?“ als das abgelöst,
was nach „Hallo!“ kommt und ist eine Unsitte. Hatte das „Wie geht’s?“ schon
immer einen aufgesetzten amerikanischen Touch, ist das „Na?“ einfach nur
wortgewordene Maulfäule und Kennzeichen von Blasiertheit.
Als solcherart Begrüßter soll man sich gefälligst aussuchen, was auf das „Na?“ zu erwidern ist, es lässt einem schließlich alle Möglichkeiten. Zum Beispiel könnte man einfach „Ja“ sagen und weitergehen, da hätte man nichts falsch gemacht und wäre nicht mal unhöflich. Es gibt auf „Na?“ eben keine richtige, falsche oder erwartete
Antwort, das macht diese Floskel so unangenehm. Man kann sie sogar nicht mal an
den Na?-Sager retournieren, was bei „Wie geht’s?“ immerhin blendend
funktionierte. Doch selbst wenn man auf das „Na?“ mit der gebotenen Höflichkeit
erklärt hat, woher man kommt und wohin man geht, lässt sich daran schwer: „Und
jetzt also zu dir: Na?“ anknüpfen. Nein, es gehört immer nur dem einen von zwei
und ist deswegen wie ein Pokal beim Tennis, nur dass ein Spieler ihn schon vor
dem Spiel mit auf den Platz nimmt und auf seine Seite stellt.
Das „Na?“ war auch noch nie freundlich gemeint. Strenge Eltern und moralische Kommissare benutzen es seit jeher, wenn einem Lausbuben das Stündlein der Reue schlagen soll. Dazu kommt noch die unfeine körperliche Untermalung des „Na?“. Es ist ein reines Kinnwort, das bedeutet, das Kinn wird dabei gleichzeitig maximal
rausgehängt und hochgerissen. Im Idealfall entfleucht dann das unselige „Na?“ am
Scheitelpunkt der Kinnumlaufbahn – quasi als verbaler Hammerwurf. Solcherart
beworfen, fühlt man alles andere als die Erotik des Smalltalks und darf deswegen
gerne weitergehen, finde ich. Findet Gott sicher auch. (Quelle: jetzt.de)
Na?! Besser hätte ich es auch nicht formulieren können...
Dienstag, 26. Mai 2009
Wortgedanken: Die Krux mit der Namensgebung für Bars, Kneipen und andere selbsternannte Szene-Treffs
Nun gut, hab ich mich damals noch mit den skurrilen bis zuweilen nervigen Namen für Friseursalons auseinandergesetzt (nein, besser: dieses Drama verarbeitet), trifft es diesmal die Zunft der Kneipen- und Barbetreiber (bzw. diejenigen, die sich dafür halten): Egal in welch' noch so kleines Kaff es einen verschlägt - es trifft einen unverhofft und oft: Die geballte (Pseudo-) Kreativität der Pächter von Bars, Kneipen und sonstigen selbsternannten Szenetreffs. Sind Wortspiele wie "Sonder-Bar" oder "Wunder-Bar" wirklich lustig? Oder gar zeitgemäß? Und am Schluss vielleicht unnötig?
Nunja, während die "Wunder-Bar" in Nürnberg aber immerhin dem Rotlicht-Milieu bzw. der rosa Szene zuzuordnen ist und somit wenigstens etwas aus dem Rahmen fällt, scheinen Bars gleicher Namensgebungkreativität gleichsam austauschbar in allen Teilen dieser Republik wie Pilze aus dem Boden zu schießen (siehe Bild)

Selbst in meiner - inzwischen auch schon etwas länger zurückliegenden - Zeit als Student an der HfWU im ur-schwäbischen Städtchen Nürtingen, das praktisch nur durch seine Studenten am Leben erhalten wird, wurde ich mit einer Szene-Bar der Güteklasse "Schaltbar" konfrontiert. Die Tatsache, dass ich für diesen "Gag" mindestens einen Euro mehr für den Caipi einkalkulieren durfte, machte die Sache nicht wirklich ertragbarer.
Dass kreative Namen nicht immer mit Kundetreue belohnt werden, zeigt das Beispiel des "Koffe-In", ebenfalls in Nürnberg: Da gingen im letzen Jahr die Lichter aus. Ob es am Namen lag? Oder doch an der Lage?
Aber Hoffnung besteht: Ein Wortspiel in der Namensgebung einer Bar muss nicht gleichbedeutend sein mit einem trivialen, schnell totgelaufenen Kneipen-Schenkelklopfer: Da wäre zum Beispiel die "Bar jeder Vernunft" in Berlin, die neben Kaffee auch noch Kunst und Kultur kredenzt. Eine klassi(zisti)sche Mischung also. Oder das Caffehaus "Röst-Bar" in Nürnberg: Ein Konzept, das von mir diesen Sommer mit Sicherheit auf die Probe gestellt wird. Ist ja Ehrensache.
Fazit ist also: Kein achso-kreatives Wortspiel in der Namensgebung einer Bar oder Kneipe garantiert eine ebenso gleichwertige (Nicht-) Qualität. Am Ende entscheidet der Kunde - sowohl geschmacklich als auch inhaltlich. Alles andere wäre ja auch "Untrag-Bar" (Wahnsinn, die gibt´s ja echt noch nicht?! - ist hiermit markenrechtlich auf ewig gesichert), oder?
Freitag, 23. Januar 2009
Wortgedanken: Friseursalons
Kaum ein Handwerk erfordert mehr Kreativität in der täglichen Arbeit als das der Friseure. Umso tragischer aber, dass sich die kreativen Köpfe bei der Namensgebung ihrer Geschäfte und Läden offensichtlich schwer tun. Genau beobachtet scheinen sich die Damen und Herren bei der Namensfindung aber auch noch in drei Lager zu teilen:
Die einen ergeben sich in Demut und Lethargie der 80er-Jahre-Nostalgie und wählen völlig austauschbare Namen etwa "Friseur Regina", "(Friseur-) Salon Regina", "Regina´s Studio" (dem Kreuz mit dem Apostroph hat sich schon Bastian Sick gewidmet) oder flüchten sich in krude Zahlenmetaphoren wie etwa "Studio 34".
Die zweite Gruppe täuscht durch zumeist anglizistisch-kokettierende Wortspielchen modernen Style vor: Man schmückt sich an der Fassade mit "Hairpoint", "Hair Station" oder "Haarwerk", während im schlechtesten Fall die Inneneinrichtung noch den 90er-Jahre-Mief des/der Vorbesitzers/-in atmet und sich die Hauptkundschaft zum größten Teil aus der euphemistisch titulierten Gesellschaftsgruppe der "Golden Agers" rekrutiert.
Mit im Boot sind da noch die diversen Firseur-Ketten, die zwar mit berufs-hipper Franchise-Einheitlichkeit daher kommen, uns aber nicht vor hyperstylischen Schriftzügen à la "Hairkiller" oder "Hairexpress" bewahren. Zumindest tragen diese aber beim zur-Nummer-degradierten-Kunden zur Erkenntnis bei, dass "billig & schnell" in den wenigsten Branchen ein echter Wettbewerbsvorteil ist.
Tja, nun gibt es aber noch die Gruppe derer, die ohne Rücksicht auf Verluste über ihre Außendarstellung ihren berufskreativen Witz transportieren wollen. Okay, manche Wortspiele zwischen "Haarakiri", "Schnittstelle" und "GmbHair" sind vielleicht noch für einen Lacher gut, aber am Ende sollte man aufpassen, dass vor lauter Wortspielerei und einem ewig weit hergeholten "Haar"-Treppenwitz nicht nur der Selbstanspruch sondern auch die Professionalität flöten geht. Über dieses Dilemma hat der eine vielleicht schon geschrieben und der andere diverse Anreize dafür gegeben - aber die "lustigsten" zitieren darf man ja wohl:
- Haarmonie
- Mata Haari
- Um Haares Breite
- Über kurz oder lang
- Hairlich
- Hairgott
- Kaiserschnitt (okay, grenzwertig...)
Nicht witzig? Gut, ist Ansichtssache. Aber wetten? Ab sofort geht ihr mit offenen Augen durch die Welt, immer auf der Suche nach dem nächsten Friseur-Wortspiel - und sei es noch so flach.
Mir ging es genauso, bis ich für meinen imaginären Salon einen prominenten Paten erfand: Hairy Potter!
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