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Montag, 26. März 2012
Review: Olli Schulz - S.O.S.
Die Mutter aller Rezensions-Katastrophen: Wer jemals volle Leidenschaft und Hingabe in eine CD-Besprechung gelegt hat und diese dann durch einen Softwarefehler verloren hat, weiß wie es mir gerade geht. Es war eine Abrechnung plus persönlichem Neuanfang mit Olli Schulz, der mit „S.O.S.“ ein tolles Album hingelegt hat. So viel schon mal vorab als Fazit.
Wäre die Datei noch da, hätte darin gestanden, wie enttäuschend ich die Kluft zwischen dem Singer/Songwriter und Entertainer Olli Schulz auf der Bühne und sein Gehabe abseits wahrnahm, als man doch nur ein Interview machen wollte. Spontan abgesagt und hinterher noch ´nen überheblichen Spruch, und das gleich bei zwei Interview-Terminen. Gut, Sellfish.de war zwar damals nicht das NME, aber Olli Schulz eben auch nicht Bruce Springsteen. Nun gut, einige Zeit ist´s her. Schwamm drüber.
Wäre die Datei noch da, hätte darin gestanden, dass nach der langen Zeit in der Olli Schulz wohl auch deshalb in der Playlist meines Lebens kaum noch vorkam, „S.O.S.“ trotzdem (oder gerade deshalb) voll bei mir einschlug. Der warme Gitarren-Sound, die bedächtige Atmosphäre, die geschmeidigen Vocals. So als wäre es 2005 und das „Beige Album“ würde im Player seine Kreise ziehen.
Wäre die Datei noch da, hätte darin gestanden, dass „S.O.S.“ belegt wie der Künstler Olli Schulz und gleichzeitig auch seine Hörerschaft erwachsener geworden sind. Irgendwie geerdet und selbstreflektiert. Und verdammt noch eins, das hat Olli Schulz auch mal richtig gut getan. Songs wie „Old Dirty Man“ beweisen weniger durch geschicktes Songwriting aber durch treffende Lyrics diese Entwicklung und allein der Opener „Wenn Es Gut Ist“ offenbart, welche Qualitäten in Olli Schulz stecken.
Wäre die Datei noch da, hätte darin gestanden, wie Olli Schulz weiterhin so wunderbar auf der Klinge zwischen Genie und Wahnsinn tanzt. Wo er „Ich Kenn´ Da Einen“ mit Dancehall-Beat und Reggae-Style abfeiert und gleichzeitig mit einem nervtötenden Outro zerstört, da hat der Wahnsinn Methode. Genauso wie die dadaistisch anmutenden improvisationsartigen Songfragmente, die er in altbewährter Olli Schulz-Manier zwischen die eigentlich beseelte Atmosphäre toller Songs wie „Irgendwas Fehlt“ kegelt. Oder das kongeniale „H.D.F.K.K.“, das tatsächlich ein Knaller wäre, hätte Olli Schulz doch nur ein, zwei Strophen mehr eingebaut und richtig zu Ende produziert.
Wäre die Datei noch da, hätte darin gestanden, dass am Ende „S.O.S“ wohl weniger „Save Olli Schulz“ meint, sondern Olli Schulz sich mit diesem Album vielmehr selbst gerettet hat. Ein ausgezeichnetes Album eines ernsthaften Künstlers, dem man seine Schnoddrigkeit entschuldigen muss, als charakteristischen Teil eines Entertainment-Pakets. Während die neoParadise-Zuschauer Olli Schulz weiterhin hauptsächlich als (zugegeben schmierig-komischen) Spaßvogel wahrnehmen, offenbart sich mit „S.O.S.“ und auf der Bühne die wahre Qualität des Künstlers.
Wäre die Datei noch da, hätte das Fazit gelautet, dass „S.O.S.“ mein schwieriges Verhältnis zu Olli Schulz versöhnt hat. Denn es ist ein tolles Album geworden, das sich mit den gehypten Singer/Songwritern unseres Landes absolut messen kann.
Die Datei ist weg, aber die Review steht. Und am Ende mache ich auf der nächsten Tour eventuell wieder ein Interview, diesmal vielleicht mit einem etwas demütigeren Olli Schulz - das wär´ doch was. Meld dich einfach, Olli.
Montag, 30. Mai 2011
Dell Vostro 3450: Erfahrungsbericht und Test (Teil 2 mit Update)
Verarbeitung
Der Dell Vostro 3450 kommt ziemlich solide daher: Das gesamte Gerät macht einen gut verarbeiteten und hochwertigen Eindruck. Kein Knarzen beim Öffnen des Displays, keine windigen Materialien. Bis auf die Oberseite des Displays (silber) und einer Blende aus Metall an der rechten Seite (CD/DVD-Laufwerk) ist das Notebook ganz in unauffälligem Schwarz gehalten.
Tastatur
Auffallend ist die Chiclet-Tastatur, die mit angenehmen Druckpunkt bzw. Anschlag überzeugt, aber aufgrund der 14-Zoll-Abmessungen auf einen eigenen Ziffernblock verzichten muss. Anfangs etwas irritierend, aber ein ganz nettes Gimmick ist die hintergrundbeleuchtete Tastatur - was insbesondere das Tippen und Surfen bei wenig Licht, vor dem Fernseher o.ä. angenehm gestaltet. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig sind die etwas großen Abstände zwischen den einzel eingelassenen Tastatur-Tasten, d.h. da sind manche Tippfehler in der Anfangsphase vorprogrammiert - aber auch da gewöhnt man sich schnell daran.
Touchpad
Das Touchpad bietet in dem mitgelieferten Programm diverse Einstellungsmöglichkeiten, wobei auf die meisten Multifunktions-Gesten verzichtet werden kann – das Scrollen im Internet funktioniert dafür umso besser.
Fingerprint-Scanner
Den Fingerabdruck-Scanner habe ich anfangs für unnötige, unausgereifte Spielerei gehalten. Aber ganz falsch: Das Ding ist richtig klasse, denn insbesondere mit der Software kann man wirklich alle Anwendungen, Ordner, Log-In-Passwörter kinderleicht verschlüsseln. Von der Windows-Anmeldung, Log-In bei diversen Social-Networks oder private Ordner und Dateien. Ein super Gadget, das v.a. auch funktioniert.
Display
Das Display ist insgesamt sehr gut, insbesondere da es entspiegelt bzw. matt ist, macht das Arbeiten auch in hellen Räumen und im Freien richtig Freude. Das kompakte 14-Zoll-Display bietet „nur“ eine maximale Auflösung von 1.366x768 Bildpunkte, was aber für mein Dafürhalten vollkommen ausreicht (Full HD-Auflösung ist ja gewährleistet). Mit an Bord ist mit der AMD Radeon HD 6630M eine Mittelklasse-Grafikkarte, die den Prozessor bei der Wiedergabe von Filmen entlastet und auch Spiele gut wiedergibt (teilweise müssen wohl Details runtergeregelt werden). Richtig klasse wiederum ist der „Catalyst Control Center“ der Grafikkarte und die diversen Energieoptionen, da je nach Anforderung (Surfen, Spiele, etc.) die Grafikleistung zurückgefahren bzw. bei geringerem Energiebedarf automatisch zur integrierten intelligenten Intel HD-Grafikkarte umgeschaltet wird.
Software
Im Lieferumfang enthalten sind die üblichen Verdächtigen: Treiber und Software für die jeweilige Konfiguration, Windows 7 Recovery, dazu die Standard-Programme wie Roxio, Power DVD, Office-Starter, eine Symantec-Trialversion und diverse Systemprogramme. Interessant ist, dass Dell als Betriebssystem Windows 7 Professional ausliefert und nicht wie üblich Windows 7 Home Premium. Kann aber auch daran liegen, dass ich auf der Dell-Homepage als „Kleinunternehmer“ das Vostro 3450 bestellt hatte und nicht als „Privatnutzer“, wo vielleicht eher die Home-Version ausgeliefert wird. Soll mir aber recht sein, denn mit Professional kann das Heim-Netzwerk umfassend eingerichtet werden.
Ausstattung
Beim Dell Vostro 3450 ist alles dabei, was das Herz begehrt: USB 3.0 (2x), eSata/USB-Anschluss, HDMI-Ausgang, Bluetooth 3.0, WLAN 802.11 b/g/n, 8-in-1-Kartenlesegerät und HD-Webcam (3.0 Megapixel). Schön, dass sowohl das Ladekabel als auch ein USB-Anschluss auf der Gehäuse-Rückseite angebracht ist, so sind die lästigen Kabel beim z. B. Desktop-Betrieb gut aufgeräumt. Der 6-Zellen-Akku kann gegen einen 9-Zellen-Akku ausgetauscht und aufgerüstet werden. Das hat allerdings nicht nur seinen Preis, sondern stört auch die Optik, da der leistungsstärkere Akku auch größer ist und hinter dem Gerät herausragt. Ein Bluray-Player (wie ursprünglich von mir gewünscht) ist nur gegen hohen Aufpreis erhältlich – da muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er das braucht.
Performance
Über die Performance kann ich momentan nur wenig berichten, da ich zum einen nicht der große Gamer bin und ich zum anderen noch nicht alle leistungsintensiven Programme installiert habe. Bei normaler Nutzung nur wie z.B. zum Surfen oder Textverarbeitung komme ich auf minimal 3,5 Stunden Akkudauer. Da ich aber momentan noch viel installiere, deinstalliere, Updates und Patches lade (übrigens ein Punkt der mich sehr arg nervt: Ich kann nicht verstehen, warum Dell schon vorab bis zum Zeitpunkt X alle zur Verfügung stehenden Updates installieren? Da sitzt man gut und gerne mal ein paar Stunden…), kann ich über einen zuverlässigen Durchschnittswert unter den verschiedenen Bedingungen noch keine Aussage treffen. Mir fehlen dafür allerdings auch die geeigneten Testprogramme.
Fazit
Nach gut einer Woche kann ich ein überaus positives Fazit ziehen: In Sachen Verarbeitung, Ausstattung und Performance ist der Dell Vostro 3450 absolut top und bietet sogar mehr als ich erwartet habe. Dazu überzeugt der Dell Vostro durch sein ansehnliches Gesamtpaket, d.h. Dell ist dabei ein gut ausgewogener Mix aus Performance- und Mobilitätsansprüchen gelungen. Gimmicks wie etwa die gute Webcam, der Fingerprint-Scanner oder die beleuchtete Tastatur runden das Paket ab. Die Leistungswerte des Akkus gilt es im Alltagsbetrieb noch abzuwarten.
Nervig ist dagegen das ewige Updaten und Installieren, um das Betriebssystem auf den aktuellen Stand zu bringen und die diversen System-Programme im Auto-Start abzuarbeiten (Sicherungsmanager, Aktivierung von Software etc.). Da gilt es vorher abzuschätzen, welche Software man ab Werk tatsächlich braucht, oder lieber deinstalliert und den Laptop benutzerdefiniert neu einrichtet (siehe dazu "Anleitung: Einen neuen Computer bzw. Laptop einrichten").
Soweit der ausführliche und individuelle Testbericht zum neuen Dell Vostro 3450. Wenn noch Fragen oder spezielle Wünsche bestehen, könnt ihr gerne einen Kommentar hinterlassen - ich versuche dann die weiteren Informationen zu liefern. Eventuell schaffe ich es auch noch Bilder und Detailfotos einzubinden.
Update (24.08.2011)
Nachdem ich den Vostro 3450 übers Wochenende nicht benutzt hatte, war am Montag plötzlich der Akku kaputt. Der Akku konnte nicht mehr geladen werden und beim Ziehen des Netzteilsteckers ging das Notebook sofort aus. Klare Sache also.
Daraufhin habe ich sofort beim DELL Kundenservice (Telefon 069/97922064, zu den Geschäftszeiten 9:00 bis 18:00 Uhr) angerufen. Dank des Express Service Codes als Firmenkunde wurde ich direkt zu einem Support-Mitarbeiter weitergeleitet. Diagnose war schnell gestellt - und den Ersatz-Akku hatte ich schon einen Tag später in den Händen.
Fazit: Ägerliche Geschichte, denn ein Akku dürfte nach 3 Monaten nicht einfach kaputt gehen. Aber mit dem DELL-Service bin ich absolut zufrieden - wie der allerdings nach dem Ende der 1-jährigen Garantiezeit ausgesehen hätte, weiß man natürlich nicht...
Donnerstag, 26. Mai 2011
Dell Vostro 3450: Erfahrungsbericht und Test (Teil 1)
Gerade letzteres wurde bei der Recherche und vor allem beim gesetzten Limit von maximal 799 Euro zum Problem. Kaum eine Konfiguration der in Frage kommenden Modelle von Asus, Acer, Sony Vaio oder Dell haben all die Anforderungen zu einem vernünftigen Preis bieten können. Lediglich das Asus X4GSN hatte einen Bluray-Player ab Werk (Herstellerpreis 799 €), aber die wenigen und dann noch unschlüssigen Testberichte (stark spiegelndes Display, Akku-Laufzeit, Verarbeitung) haben mich dann doch abgeschreckt.
Ohne Bluray-Player rückte vom Preis-/Leistungsverhältnis insbesondere das Dell Vostro 3450 sowie das Sony Vaio E-Serie in den Mittelpunkt, auch da beide Modelle über die Hersteller-Homepage individuell zu konfigurieren war. Das Sony Vaio fiel wiederum aufgrund der nicht überzeugenden Testberichte (Display, Verarbeitung) und dem fehlenden USB 3.0/eSata-Anschluss aus der Liste.
Bei näherer Beschäftigung mit dem Dell Vostro 3450, der wie das Asus ebenfalls recht neu auf dem Markt ist, überzeugten die wenigen verfügbaren Erfahrungsberichte im Internet, sowie der Service in der Konfiguration bzw. der Bestellvorgang bei Dell. Per Chat werden z. B. unmittelbar Fragen beantwortet und bei der Konfiguration beratend zur Seite gestanden. Als Privatperson oder Kleinunternehmer kann man dann den Konfigurations- und Kaufvorgang abwickeln. Dabei ist immer zu Bedenken, dass am Ende noch die Mehrwertsteuer aufaddiert wird, d.h. man kalkuliert anfangs mit Nettopreisen.
Das ist ja auch soweit okay, aber ein echtes Ärgernis bei Dell-Notebooks sind die kurzen Gewährleistungszeiten (Standard ist nur 1 Jahr), d.h. man muss zusätzliche Absicherung und Serviceleistungen teuer hinzukaufen. Das sind dann mal locker 80 Euro für 3 Jahre Garantie/Service mehr - ziemlich überzogen wie ich finde. Da sollte man sich gut überlegen, ob man das macht.
Aber wer clever ist, kann mit Gutschein-Codes und Online-Rabatten bzw. besondere Aktions-Bundles (speziell konfigurierte Modelle mit Express-Versand), die es für Dell immer mal wieder gibt, noch an anderer Stelle ordentlich sparen. In meinem Fall sind beide Sachen eingetreten und ich konnte für ziemlich genau 700 € einen Dell Vostro 3450 mit allen oben genannten Anforderungen nach nur zwei Tagen in den Händen halten (Kreditkartenzahlung vorausgesetzt).
Nach diesen Erfahrungen ist Dell als Notebook-Hersteller/Versender in Sachen Preis/Leistung absolut zu empfehlen.
P. S.: Der Test zum Dell Vostro 3450 folgt bald in einem zweiten Teil zu diesem Erfahrungsbericht.
P.P.S.: Inzwischen ist Teil 2 des Testberichts online.
Donnerstag, 3. März 2011
iPad 2: Die Vor- und Nachteile - eine Bewertung
Der wirklich große Sprung ist Apple mit dem iPad 2 nicht gelungen. Die Frage ist natürlich, ob das wirklich auch das Ziel war. Vielmehr scheint es Steve Jobs darum zu gehen, im direkten Konkurrenzkampf die Nase vorne zu haben: Schon mit dem ersten iPad gelang ihm die Revolution in einem komplett neuen Markt, an dem sich vorher schon Microsoft diverse blutige Nasen geholt hat.
Nach diesem Schock war es mit dem iPad 2 „lediglich“ Aufgabe, die Konkurrenz auf Distanz zu halten – und vor allem schneller zu sein. Der Verkaufsstart innerhalb einer Woche nach Präsentation legt die Messlatte enorm hoch und düpiert Konkurrenten wie Motorola, LG oder Samsung die pünktlich zur WWDC zwar große Ankündigungen verlautbaren, das zeitnahe Roll-Out aber verpassen. So steht aktuell der Verkaufsstart des Samsung Galaxy Tab 10.1 oder des Motorola Xoom nicht wirklich fest.
Mit diesem Punktsieg im Hintergrund „reicht“ es für Apple, allein an der Designschraube zu drehen und ein paar (mittlerweile) obligatorisch notwendige Funktionen upzugraden: Dazu gehören die zwei Kameras (3D braucht heute noch keiner), einen Gyroskop-Sensor, Kopplungen via HDMI-Schnittstelle (USB und SD-Slot bleiben wohl weiter ein Traum, den Apple dank seiner Markenstrategie so schnell nicht verwirklichen wird) und der schnelle A5-Prozessor, der enorme Leistungen bei gleichbleibend niedrigem Akkubelastung bereitstellen kann. Da kann es sich Steve Jobs erlauben, die Auflösung bei standardiösen 1024 x 768 Bildpunkten zu belassen und lieber die „Smart-Cover“-Hülle mit Magnetschutz und Standby-Funktion als das Gadget überhaupt zu hypen. Dass bei der WiFi-Variane die Navigation nicht auf GPS basiert und dort nur die WiFi-Location-Services genutzt werden schmerzt allerdings schon sehr.
Das i-Tüpfelchen ist aber weiterhin der Design- und Softwarevorsprung von Apple: Denn mit 8,8 mm Dicke (und damit 33% schmaler als der Vorgänger) hat selbst das aktuelle iPhone 4 ein wenig mehr auf den Rippen und die abgeflachte Silhouette, gepaart mit etwas weniger Gewicht, lässt das iPad 2 scheinbar endgültig zum griffigen und alltagtauglichen Computer-Ersatz werden - mal abgesehen von der fehlenden Flash-Unterstützung und der Schnittstellen-Ideologie, die dem Normalnutzer ohne das entsprechende Apple-Universum (Apple TV, iTunes oder Airplay) tatsächlich einschränken. Die Offenheit eines Betriebssystems ist und bleibt der einzige Vorteil der Konkurrenz.
Mit iOS 4.3 geht Apple dann auch vom Betriebssystem den Schritt, den Google mit Android schon längst angekündigt und so gut wie vollzogen hat (Honeycomb): Facetime, Hotspot-Funktion, iMovie, Photobooth, erweitertes Airplay und Multitasking. Das sind die Pfunde, mit denen Apple neben dem riesigen App-Markt wuchern kann. Wer allerdings Angst vor der Wireless Community hat und an iTunes, der Cloud und dem Apple-Datenimperium seine Zweifel hegt, tut sich mit den iPhones und iPads dieser Welt schwer. Wobei Google da bestimmt auch nicht besser ist…
Der einfache technik- und designaffine Endnutzer sollte sich also überlegen, ob ihm das iPad als Notebook-Ersatz oder nur als Lifestyle-Gadget taugt. Und genau bei dieser Zwickmühle setzt noch mal Apples Marktstrategie an: Der Preis.
Galten iPhones, iPod und iPad schon immer als hochpreisig, so relativiert sich der Preis für ein iPad 2 gerade im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz. Samsung und Motorola werden sich wohl irgendwo zwischen 700 und 800 Euro einnisten. Apple dagegen bietet das neue iPad 2 zu alten Preisen in den bekannten Abstufungen an: Vom Luxusmodell mit UMTS und 64 GByte Speicher (699 Dollar) bis hin zum Einsteigermodell mit WLAN-only und 16 GByte Festplatte für 499 Dollar.
Wem also das iPad 2 nicht als vollwertiger PC-Ersatz zusagt, der kann es sich doch immerhin als kleines Gadget obendrauf noch leisten. So der Plan.
Dienstag, 18. Januar 2011
Test: Mobiles Bloggen mit BlogBooster (App)
Nun nutze ich einfach die Gelegenheit mit diesem Post nicht nur meinen ersten mobilen Blogging-Versuch in Echtzeit zu testen, sondern gleichzeitig hiermit eine neue Kategorie auf lifesoundsreal einzuführen: Tests und Reviews von technischem Zeugs, HiFi, Gadgets und so. Wollte ich eh schon immer machen - und war ja auch irgendwie naheliegend.
Also: Mit BlogBooster habe ich eine - komischerweise noch nicht bewertete - Gratis-App gefunden, die mir aber dennoch ganz funktional erschien.
In der Kostenlos-Version kann nur ein Blog importiert werden. Aber ok. Nett ist die Verknüpfung mit dem Picasa-Webalbum, gelungen auch die Fetch-Funktion, d. h. alle alten Posts vom Blog werden übertragen und können so auch noch bearbeitet werden.
Das Posten an sich ist einfach, überschaubar und selbsterklärend gestaltet. Toll auch die Draft-Funktion, um Entwürfe zu erstellen, diese sogar auf dem Blogger-Server zu speichern, um sie später bearbeiten bzw. veröffentlichen zu können.
Die Einbindung von Fotos (über Picasa und/oder vom iPhone direkt) werde ich noch testen - genauso wie das Verlinken bzw. die weiteren Formatierungsmöglichkeiten beim Post-Erstellen.
Vom ersten Eindruck her ist BlogBooster aber eine einfache, gut zu bedienende und übersichtliche Blogger-App mit den wichtigsten Grundfunktionen. Im täglichen Einsatz wird sie sich noch beweisen müssen, aber momentan sehe ich keinen Grund nicht meine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen.
Edit: Das Einfügen von Hyperlinks ist auch kein Problem.
Edit 2: Das Einbinden von Fotos (in meinem Fall ein Screenshot direkt aus der Fotosammlung) funktioniert auch - wenn ein Picasa-Album angelegt ist.
Donnerstag, 10. Juni 2010
Review: Oasis - Time Flies… 1994 - 2009 (3CD/DVD Box-Set)
Es war zwar irgendwo abzusehen, aber dennoch war der Ausstieg von Noel Gallagher und somit das Ende von Oasis im Sommer letzten Jahres ein kleiner Schock: Die Band, mit der ich aufgewachsen bin und die - wie vielleicht zuletzt die Beatles – eine ganze Generation geprägt hat, gibt es nicht mehr. Jetzt erscheint „Time Flies… 1994 - 2009“, eine Best-Of-Box mit Doppel-CD aller Hits als Single-Collection, einer Bonus-CD aller bisher veröffentlichten Videos und eine DVD mit dem letzten aufgenommenen Oasis-Konzert im Roundhouse in London - und lässt mich doch noch einmal all das aufarbeiten, was mit der Meldung vom Band-Split sein Ende fand und ich eigentlich gar nicht groß kommentieren wollte.Kaum einer kann bestreiten, dass Oasis mit Songs wie die beiden unvermeidlichen Hits „Wonderwall“ und „Don´t Look Back In Anger“ Meilensteine des Gitarren-Rock und Brit-Pops schufen, nebenbei die Geburtsstunde des gleichnamigen Phänomens definierten und somit Wegbereiter ähnlich populärer Bands wie Blur, Pulp oder The Verve waren. Und natürlich waren Oasis auch ihre eigene Marketing- und Schlagzeilenmaschine: Keine Band hat ähnlich gerne und konsequent ihr Image als arrogante Rüpel-Frontmänner mit Dauergrößenwahn bei gleichzeitiger Unterschichten-Attitüde gepflegt. Legendäre Zitate wie „Wir sind nicht arrogant, wir sind einfach nur der Meinung, dass wir die beste Band der Welt sind“, selbsternannte Vergleiche mit den Beatles und Premium-Starallüren waren da an der Tagesordnung - und gehörten zu Oasis wie die dauerschwelende und offen kommunizierte Bruder-Hassliebe, die ständig neue Höhepunkte verlangte und sich als roter Faden folglich in der Band-Auflösung manifestierte. Irgendwie auch ein absurdes Markenzeichen: Zwei Ausnahme-Songwriter, die sich gegenseitig ihr Verständnis und das Können des jeweils anderen absprechen, um sich so immer weiter nach vorne pushen.
Unabhängig davon sind es aber die Songs, die Oasis ganz objektiv und ohne diese Nebenkriegsschauplätze zu einer der größten Band in der Musikgeschichte werden ließen. Die Genialität zeigt sich in der Klasse, der Konstanz und dem Selbstverständnis, in der unsterbliche Songs entstanden: So etwa das zäh-rockende „Go Let It Out“, der Mitwipper „Layla“, das mächtig-rührige „Stand By Me“ oder als Klassiker das mindestens so opulente wie ewig in sich implodierende „Champagne Supernova“ vom Überalbum „(What´s The Story) Morning Glory“ (1995), dem Soundtrack einer ganzen Generation von Pubertäten. In ihrer eigenen Abgehobenheit entstanden so Songs, die zwar immer nach dem zeitlos-gleichen Oasis-Prinzip aus dicker Gitarren-Soundwand, kautschukartigen Ziehen des Refrains und ins Mikrofon gepresste Vocals funktionierten – aber auch immer eine Entwicklung durchlebten. Sicher waren und sind die Beatles immer die Vorbilder der Gallagher-Brüder, könnte doch Songs wie „Let There Be Love“ oder mit Abstrichen auch ein „Little By Little“ genauso gut auch in der Sofaritze von John Lennon gefunden und vertont worden sein. Aber die wahre Klasse zeigt sich in eher minder beachteten Manifesten wie etwa „D´You Know What I Mean“, das die ersten 2:30 Minuten locker vor sich her purzelt und dabei komplett auf den Refrain verzichtet, nur um genau jenen die nächsten fünf Minuten wieder und wieder in sämtlichen Farben abzufeiern. Ein ähnliches Prinzip verfolgt "All Around The World", das in der Original-Version gar über neun Minuten ständig einen neuen Höhepunkt findet. Wahnsinnig. Gigantisch. Genial.
Genau das sind Oasis, und genau deswegen ist „Time Flies… 1994 - 2009“ nicht nur aus Sicht eines Fans ein absolutes Muss - sondern auch ein musikhistorisches Zeugnis, dass sich mit Oasis eine der größten Rock-Bands der Neuzeit aufgelöst hat. Vielleicht waren sie nicht größer als die Beatles, aber mit Sicherheit eine der besten Bands der Welt.
P.S.: Wenn das überhaupt das Ende der Oasis-Geschichte ist... Zwar macht Liam Gallagher erfolgreich in Mode und schraubt an einem Beatles-Film, während Noel Gallagher schon die Neuformation von Oasis als Beady Eye verkündet – aber dennoch nicht auszudenken, dass es das Gespann Liam und Noel Gallagher in ihrer Kongenialität nicht mehr gibt, meint selbst Yoko Ono.
Sonntag, 6. Juni 2010
Review: Danko Jones - Below The Belt (CD)
Das Trio um den Sänger und Gitarristen Danko Jones macht mit "Below The Belt" genau da weiter, wo es vor gut zwei Jahren mit dem letzten Album "Never Too Loud" aufgehört hat. Und das heißt: Garage-Rock für Fortgeschrittene - und das ohne Kompromisse. Weder im positiven noch negativen Sinne.Sicher ist auch das neue "Below The Belt" wieder ein ordentlicher Brocken an schwitzig-packenden Blues- und Garagen-Rock-Nummern, die auch seit der Bandgründung von Danko Jones vor gut 15 Jahren nicht viel an Energie und Dynamik verloren zu haben scheinen. Denn wer Album-Parolen wie "Sleep Is The Enemy" (2006) oder das wahrhaftige Über-Album "We Sweat Blood" (2003) raushaut, muss auch entsprechend abliefern können. Und das schaffen Danko Jones auch diesmal wieder. Aber dennoch: Eine gewisser Wiederholungseffekt mit begleitenden Ermüdungserscheinung treten nach nunmehr sieben Danko Jones-Alben langsam schon auf. Keine Neuerungen aber dafür die gewohnt hohe Taktfrequenz gibt es von den Kanadiern mit "Below The Belt" um die Ohren gehauen. Vielleicht etwas poppiger produziert und nicht ganz auf Kollisionskurs getrimmt, gefällt das neue Album immerhin als großartiger Taktgeber und Begleiter im Autoradio auf den Weg in den unvermeidbaren Sommer.
Und wenn man mal wieder auf hohem Niveau jammern möchte, dann wäre das bei "Below The Belt" wohl der Fall. Denn Danko Jones liefern, was wir von ihnen erwarten: Finest Rock mit Blut, Schweiß und Tränen. Nicht mehr und nicht weniger. Wer damit zufrieden ist - und wem das Ganze weiterhin nicht zu dreckig-laut ist -, der dürfte auch an diesem Album seine wahre Freude haben.
Mittwoch, 19. Mai 2010
Review-Special: Bestandsaufnahme Mai 2010
Den Anfang macht Nachlader, eben ein Ein-Mann-Projekt aus Berlin, das mit „Koma Baby Lebt“ (Boing Boing Records) zwar eine Schneise durch ein Dickicht aus verschiedensten Musikstilen schlägt, aber dennoch treffend die Atmosphäre des typisch-ambivalenten Hauptstadt-Lebensgefühls transportiert: In 80er Jahre Elektro-Reminiszenzen als Basis, ein bisschen Rock als Ventil und obendrein Großstadt-Blues fürs Gefühl. Das Ganze verpackt in Singer/Songwriter-Manier und trefflich garniert mit intelligenten Texten, die irgendwo im Spannungsfeld zwischen Ironie und Wirklichkeit, Reflektion und Ignoranz, Anspruch und Abrechnung, aber immer ein wahres Fest sind. Und nicht zuletzt die persönliche Note des pointierten Witzes bei gleichzeitig wurschtiger Allgemein-Attitüde machen Daniel Baumann und sein zweites Album „Koma Baby Lebt“ unglaublich charmant, wenn auch etwas heterogen und sperrig - ist aber eben auch ganz das Großstadt-Thema.
Genauso charmant bis zuweilen brüllend komisch ist Blockflöte Des Todes mit dem Werk – und jetzt kommt´s dicke - „Wenn Blicke Flöten Könnten“ (Wannsee Records). Wer ob des Namen-Gruselkabinetts jetzt erstmal pure Albernheit erwartet, der wird wohl erstmal enttäuscht sein - aber dafür gleichzeitig auch überrascht: Denn was Singer/Songwriter Matthias Schrei hier abliefert ist nur bedingt ein Produkt präpubertär-ulkigen Dadaismus. Sicher fangen einige Textzeilen erst da an, wo Die Ärzte aufhören und Olli Schulz den Mut verliert, aber gleichzeitig sind die Songs von so nüchterner Komik, Geradheit und Prägnanz, dass sie die Hörer staunend und gequält-grinsend zugleich zurücklassen. Abstruse Themen, kaputte Typen, krude Geschichten erzählt Schrei so en-passant und nimmt dabei alles und nichts auf den Arm. Zwischen dem sophisticated-korrekten Songwriter und der verschroben-genialen Kaputtheit liegen eben Songs wie „Du Bist So Schön Wie Ein Flughafen“. Ein abgefahrenes, nicht erwartetes Werk, das man trotz allem ernst nehmen sollte.
Von einem ganz anderen Schlag ist dagegen Uli Tsitsos, der unter dem Namen The Apocalyptic Troubadour auf Solo-Pfaden wandert. Nach dem Split von Hutpferdemänner und Projekten wie The Elefant Circus macht es sich der Nürnberg Singer/Songwriter mit seinem Debütalbum „17“ (Apocalyptic Productions) auf dem breiten Soundteppich des Urban Folk gemütlich. Schon die selbstbetitelte EP aus 2008 machte klar, dass hier Großes im kleinen Lo-Fi-Korsett entsteht: Mit dezentem Elektro- und Gitarrensound schafft The Apocalyptic Troubadour eine heimelnde Atmosphäre aus melodramatischem Folk, ehrlichem Roots-Rock, entspanntem Pop und schimmerndem Lo-Fi-Elektrosmog. All das wird zusammengehalten und perfekt inszeniert durch Tsitsos´ markante, aber dennoch zurückgenommen und geschickt eingesetzte Vocals. Manchmal kommen die nasal-gepresst im Bob-Dylan-Style, mal kräftig, dann wieder als knarrzige Begleiterscheinung. Und egal wie das Tempo und die Stimmung über die gesamte Spielzeit gewechselt wird, man merkt bei all dem förmlich, wieviel Herzblut und Detailliebe in „17“ steckt - und das nicht nur weil es vom Künstler selbst komplett in Eigenregie produziert wurde: Vielschichtig, melodieschwer und dynamisch-treibend zugleich. Ein starkes Album. Aus Nürnberg.
Freitag, 7. Mai 2010
Review: Egotronic - Ausflug mit Freunden (2CD)
Mittlerweile dürfte ja bekannt sein, dass ich nicht der größte Elektro-New-Rave-Wasauchimmer-Freund und -Kenner bin. Ich lasse mich aber immer wieder gerne überraschen - und im Fall von "Ausflug Mit Freunden", dem neuen Album von Egotronic, bin ich fast schon bekehrt.
Vorurteile machen nur so lange Spaß bis man vom Gegenteil überzeugt wird. Wo ich mit albernem Abgefeiere zu deutschem Elektro-Gespratzel gerechnet habe, schlägt "Ausflug Mit Freunden" bei mir doch ganz überraschend anders ein: Nämlich mit voller Begeisterung. Klar, Egotronic ist in erster Linie deutscher Elektro-Punk mit hoh(l)em Entertainmentwert. Aber eben nicht nur. Zwischen infantilen Reimen und stampfenden Beats finden sich auch feine, schreiend-komische, reflektierte und kaputte Lyrics, die allein schon richtig Spaß machen. Unterlegt und angetrieben vom charakteristisch dröhnend-verzerrten und stampfenden Atari-Sound knallen Tracks wie der Opener "Was Soll´s", "Tonight" oder das wahrlich famose "Ich Kann´s Nicht Sagen" eben einfach rein. Alles zwar irgendwie nach dem gleichen, einfachen System - aber wenn es derart understatement-unterhaltend daherkommt, gerne. Richtig brennen wird es auf dem Dancefloor wahrscheinlich eh nur beim letzten Titel "Mehr Bass", alle anderen neun Songs glänzen im richtigen Mischungsverhältnis aus Elektro, Pop und Punk.
Scheint also fast so, als hätte mich "Ausflug Mit Freunden" endlich überzeugt, Egotronic und Konsorten nicht nur als rein-infantile Feier-Bands abzustempeln, sondern auch als raffinierten Electro-Punk zu begreifen. Gefällt! Tatsächlich.
Donnerstag, 29. April 2010
Review: Bullet For My Valentine - Fever (CD)
Die walisischen Krawall-Buben von Bullet for My Valentine melden sich mit ihrem dritten Album „Fever“ zurück - und alles bleibt irgendwie beim Alten. Ist das jetzt schlecht? War das jemals gut? Zwei Fragen über die sich die Szene seit dem Sensations-Debüt des Quartetts vor gut fünf Jahren ausführlichst gestritten hat.Denn zwischen hochgetuntem Nu-Metal-Sound und Screamo-Einlagen buddeln die Jungs aus Bridgend weiter fleißig im mainstreamigen Emo- und Metalcore-Sandkasten. Im Vergleich zu ihren kommerziell viel beneideten Vorgänger-Alben „The Poison“ (2005) und „Scream Aim Fire“ (2008) konnten sie insbesondere ihr Songwriting weiter verfeinern. Mehr Abwechslung ist zwar nicht immer gleichbedeutend mit mehr Spannung, aber zumindest strotzt „Fever“ nur so vor Ideen und Soundspielereien. Mitreißend und glatt zugleich kommt „Fever“ daher. Da sitzen die Refrains weiterhin mindestens so gut wie die Frisur und der Kajalstrich der vier Jungs.
Die Gitarren-Riffs - und insbesondere das Solo zum Opener „Your Betrayal“ - sind zwar ziemlich berechnend und simpel, verfehlen aber dennoch ihre Wirkung nicht: Intro, Break, Strophe, Bridge, Refrain, Strophe, Refrain, Refrain. Fertig. Einfaches Konzept, aber gekonnt umgesetzt. Also ohne Zweifel: „Fever“ ist ein vielschichtiges Album, das perfekt an der von Bullet For My Valentine so trefflich selbst kreierten Schnittkante zwischen Mainstream und Metal mäandriert. Die atmosphärische Dunkelheit, die sich im Cover widerspiegelt und den Gesamtsound dominiert ist dabei ganz eindeutig dem Produzent Don Gilmore (u.a. Linkin Park, Good Charlotte) zu verdanken.
Ein künstliches aber zugegebenermaßen gutes Metalcore-Album zwischen anbiederndem Screamo und Mainstream-Metal. Kein Ausrufezeichen wie „The Poison“, keine Steigerung wie zu „Scream Aim Fire“ - aber mit Abstand besser als manche Standard-Emo-Knalltüten. Bei jeder anderen Band hätte ich an dieser Stelle die Worte „Weiterentwicklung“ oder „Fortschritt“ benutzt. Im Falle von „Fire“ bleibt nur „Perfektion“ - sowohl im positiven als auch negativen Sinne.
Samstag, 17. April 2010
Review-Special: Bestandsaufnahme April 2009
Den Anfang dieses kleinen Review-Frühlingsspecials machen The Roovers aus Berlin, die bei mir mit "A Sweet Invitation To A Romantic Massacre" (TheRoovers) das erste Mal ihre Visitenkarte abgeben. Und schon die ersten Minuten machen klar, wie der Hase läuft: Rock´n´Roll aus der Garage auf Modern und in Dreckig. Besonders schön aber dabei, dass die Jungs zwar Wert auf krachigen Sound legen, aber dennoch Melodien, Instrumente, Breaks und Tempowechsel ihren Niederschlag finden. Wenn auch selten ein Song unter vier Minuten weg kommt, unterhält "A Sweet Invitation To A Romantic Massacre" mit der gelungen Mischung aus Hardrock, Schweineorgel und Schmalzlocke. Dabie sind sich die Jungs auch nicht zu schade ist für so manch psychodelisch-dramatischen Wüstentrip ("Home"). Feine Sache. Und live knallt es bestimmt noch mal richtig.
Ähnlich dreckig, ehrlich und direkt geht es auch weiter: Denn Detroit 7 liefern mit "Black & White" (Kastellamedia / Soulfood Music) nicht nur ein derbes Brett "Rock´n´Roll" ab, sondern begeistern dabei noch mit Frauen-Power und Punk-Attitüde. An die Stimme darf man sich dann auch schnell gewöhnen, denn Detroit 7 legen ein Tempo vor, das The White Stripes manchmal auch nicht schlecht zu Gesicht stünde. Rockig, röhrend und lässig aus der Hüfte trifft hier Garage auf Rock, Punk unter der stänsigen Suche nach knallenden Melodien: Derbe und auf den Punkt. Die zwei Mädels +1 von Detroit 7 machen ihre Sache fast besser also manche all-american Garagepunk-Band - aber das ist ja wie so oft bei den Japanern.
Dem Thema "Punk" haben sich auch Neck aus dem schönen Irland verschrieben. Punk und Irland das ist ja fast schon zwangsläufig unter der Kategorie "Folk-Punk" abzuspeichern. Tatsächlich ist "Come Out Fighting" (Golf / Cargo Records) aber kein klassischer Folk-Punk, denn im Vergleich zu ihren allseits bekannten Genre-Genossen, legen Neck noch einmal mehr Gewicht auf den Folk-Anteil. Fast schon Musical-artig werden hier irische Tradtionals ins Rock-Gewand gepresst, haben aber auch genügend Raum, um ihren ganz eigenen Charme jenseits des Punkrock-Tempos zu entfalten. Das macht "Come Out Fighting" zu einem etwas differenzierten Hörerlebnis als es vielleicht bei Flogging Molly oder The Real McKenzies der Fall ist. Gut - auch wenn das "Riverdance"-Thema ein wenig zu stark mit reinspielt. Man hört sich halt schnell satt.
Thematisch schon eine Ecke weiter sind Goldust, die sich mit ihrem zweiten Longplayer nach einigen Jahren des Luftholens und der Line-Up-Anpassung wieder zurück melden. Und wie! Schon lange hat keine Hardcore-Scheibe derart bei mir eingeschlagen: "Destroyer Borderlines" (Let It Burn Records / Soulfood Music) ist mit seinen knallenden Drums und derben Shouts ein explodierendes Fass, ein geniales Stück "old school" ohne pseudo-typische Metal-, Deathcore und Screamo-Anleihen. Gelungen ist Goldust vor allem die Gesamtatmosphäre auf "Destroyer Borderlines": Düster, apokalyptisch und hoffnungslos. Dazu verpuzzelt-gute Lyrics, treffende Intros und brachiale Spitzen (von dem gelungenen Artwork mal ganz zu schweigen). Damit haben die fünf Münsteraner ein ordentliches Brett abgeliefert, dass sich mit Szene-Größen wie Comeback Kid oder gar Agnostic Front durchaus messen lassen kann. Bis dato mein persönliches Genre-Highlight in 2010. Endlich mal wieder.
Freitag, 9. April 2010
Review: Kafkas - Paula (CD)
Das neue Album von den Kafkas ist so eine Sache, denn „Paula“ macht es einem nicht leicht: Auf der einen Seite Begeisterung ob der Indie-Punkpop-Elektro-Breitseite mit der das Album zu Beginn punktet - die jedoch über die Gesamtspielzeit etwas dem Überdruss weicht. Ich möchte hier nicht über standardiöse Songqualitäten urteilen, denn sicherlich ist „Paula“ ob seiner cleveren Texte und dem ungemeinen Gesamt-Charme der Kafkas noch mal auf einer anderen Ebene zu bewerten.Es sind nämlich tatsächlich die Lyrics, das Herzblut, die Attitüde die in den Songs stecken, die den Unterschied machen. So gesehen ist der Weg zu Genre-Helden wie Muff Potter oder …But Alive nicht weit. Rein musikalisch bewertet, ist das erste richtige Album nach gut über acht Jahren (und zwei EP´s dazwischen) aber ein schwer zu deutender Schritt im Entwicklungsstadium der Band. Was für ein Glück, dass zumindest mit dem Opener und Antreiber „Klatscht In Die Hände“ ein unangefochtener Gassenhauer am Start ist, der durch seinen mitreißendem Handclap-Charme und der explosiven Dynamik sicherlich seinen Weg in die DJ- und Radio-Playlists finden wird. Songs wie „...Wenn Ich Mal Ein Tattoo Habe“ und „Ich Will Kein Kumpel Von Euch Sein“ sind dagegen zwar innovativer und ungehobelter, schaffen es aber dennoch nicht länger haften zu bleiben. Immerhin belegen diese Songs einmal mehr Kunst und Können von Markus Gabi Kafka, Gefühle und Szenen in sensationell-griffige Strophen zu verwandeln. Absoluter Liebling von „Paula“ ist dennoch „Hell Oder Dunkel“, das zwar genauso gut vor zehn Jahren von Such A Surge geschrieben worden sein könnte, aber dafür ebenso klassisch wie simpel in den Gehörgang steigt.
Bleibt zuletzt die Frage, warum der Rest des Albums nur bedingt diese Taktfrequenz zu halten vermag bzw. derart heterogen daherkommt. Zu wenig Punkrock? Zu viel Pop? Zu wenig Elektro? Oder nur zu viel gewollt? Die Antwort liegt wohl irgendwo dazwischen: So ist „Paula“ zwar ein ordentliches Album, das aber hoffentlich auch nur ein Zwischenschritt ist, bevor die Kafkas mit dem nächsten Album ihren Stil gefunden und perfektioniert haben.
Dienstag, 6. April 2010
Review: MGMT - Congratulations (CD)
Also ehrlich, was soll man noch über ein Album schreiben, über das bereits lange vor Veröffentlichung heiß diskutiert wurde. So geschehen mit „Congratulations“, dem neuen Album der Sound-Künstler von MGMT. Das hat nämlich die schlechteste Variante aller viralen Internethypes vor Veröffentlichung durchlebt: Die Single-Vorabveröffentlichung "Flash Delirium" hat die Fans mit unbekannt-krudem Sound vor den Kopf gestoßen - eine Entschuldigung (!) der Band folgte -, das Cover wurde vorab schon als das schlechteste Artwork des Jahres betitelt und zu guter Letzt ist das komplette Album schon Wochen vor Release-Termin ins Netz gelangt (neudeutsch: „geleakt“). Allein die Reaktion der Band war wunderlich: Kurzerhand und relativ gelassen stellten die beiden Franzosen „Congratulations“ als kostenlosen Download auf ihre Seite: "Hey everybody, the album leaked, and we wanted you to be able to hear it from us. We wanted to offer it as a free download but that didn't make sense to anyone but us." (whoismgmt.com)Mal abgesehen von diesen ganzen Nebenkriegsschauplätzen, die so trefflich den heutigen Umgang der Gesellschaft mit Musik und deren Auffassung als Kunst charakterisieren, haben MGMT mit „Congratulations“ einen echten Anti-Nachfolger zum Überraschungs-Hitalbum "Oracular Spectacular" (2008) geschaffen. Schon die von Fans missverstandene Single "Flash Delirium" deutete an, was die neun Songs sein sollen: Ein Gesamtkunstwerk, das nicht mehr die Leichtigkeit und Eingängigkeit des Debüts zelebriert, sondern der eigentlichen Arbeitsauffassung von Ben Goldwasser und Andrew Vanwyngarden entspricht: Sound-Provokateur und Stil-Jongleure von Elektro, Prog, Dance, Glam und Sixties-Pop - mit Peter Kember (Sonic Boom bzw. Spacemen 3) als Produzent obendrauf. Wer die Entwicklung zwischen den Alben verstehen will muss wissen, dass "Oracular Spectacular" in MGMT-Zeitrechnung aus einer anderen Epoche stammt. Damals noch zu Studentenzeiten als freimütiges Stück Lebensgefühl entstanden, begreifen sich die beiden heute eher als Sound-Pioniere denn als hedonistische Unterhaltungs-Elektroniker für die breite Masse. So gesehen ist ein anachronistisches Werk wie „Congratulations“ nur einleuchtend, zum einen als Abgrenzung und zum anderen als Abbild eines neuen Selbstverständnisses.
Ein Album, dass seinen Hörer die volle Konzentration abverlangt und als Gesamtwerk verstanden werden muss. Und viel schöner noch: Wer genau hinhört, findet versteckt in all dem zögerlichen Sound-Brei, der ausufernden Redundanz und den brillanten Genre-Auffahrunfällen auch auf „Congratulations“ die Melodien und Zitate, die zu Vorgängeralben-Zeiten noch offen platt getreten wurden. Ein verwirrendes Stück Musik, das man lernen muss zu mögen. Nur fraglich, ob sich bei der Vorgeschichte noch jemand die Mühe macht.
Freitag, 26. März 2010
Review: Donots - The Long Way Home (CD)
Also das kann man kurz machen: Die Donots sind einfach unantastbar. Ihr neues Album "The Long Way Home" belegt einmal mehr die mittlerweile erarbeitete (Allein-) Stellung der Band in der (deutschen) Musikszene: Da wo sich andere Band um Peergroups, Trends und Chart-Platzierungen sorgen, veröffentlichen die Herren um die Gebrüder Knollmann einfach mal ein Album mit der richtigen Mischung aus Herzblut und Rock.Das Intro lässt es dabei noch relativ gemächlich angehen: "Changes" ist Motto, Zubringer und Vorfreude in einem. Unaufgeregt, aber auf den Punkt, bevor mit "Calling" das achte (!) Album offiziell eröffnet wird. Auch wenn sich ein Bertelsmann-Group-Ableger den Song als Theme-Song ausgesucht hat, beweist es einmal mehr: Die Donots sind es leid und haben es nicht nötig, Trends nachzuhecheln. Sie haben ihre Nische gesucht, (erschaffen?) und gefunden. Noch Punkrock? Indie-Pop: Warum nicht! Synthie: Geht immer. Punkpop: Vielleicht. Radio-Rock: Warum nicht.
Aber was anderen Bands in ihrer Selbstdefinition Sorge bereitet, ist bei den Donots vom Motto zum Stil geworden: Songs die keine Rücksicht nehmen auf Allgemeinplätze, sondern mit Energie, Rock und Herzblut den Hörer auf den richtigen Fuß erwischen. Das ist das Selbstverständnis mit dem eine Band auftritt - nein, auftreten muss -, die nach 16 Jahren Bandgeschichte und acht Alben über Eighties-Punkrock-Hype ("Pocketrock"), Weitermachen ("Amplify The Good Times"), Selbstfindung ("Got The Noise") und Wirklichkeit ("Coma Chameleon") mit "The Long Way Home" das selbstverständlichste aller Alben (noch dazu auf ihrem eigenen Label) abliefert. West Coast? SoCal? Nein, Ibbenbüren: That´s the place to be.
Kurz: "The Long Way Home" ist Bestätigung und Neubeginn in einem. Ich bin bekennender Fan von der sympathischsten aller deutschen Bands überhaupt und das neue Album passt wie der viel bemühte Arsch auf Eimer. Genugtuung für mich (der mit "Room With A View" und allen Facetten danach aufgewachsen ist) - und hoffentlich auch für Ingo, Guido und die Jungs. Verdient haben sie es.
Mittwoch, 24. März 2010
Review: Okieson - Cupboard Full Of Things (CD)
So schön die allseits grassierende Veröffentlichungsflut im Alt.Country-Bereich auch sein mag, sie fordert gleichzeitig auch weitere Definitionsspitzfindigkeiten. Nun hat sich jemand den Begriff „Country Noir“ ausgedacht und wohl dabei an Okieson gedacht.Und tatsächlich: „Cupboard Full Of Things”, das zweite Album der holländischen Band Okieson ist so ziemlich der Gegenentwurf zu dem, was momentan da draußen vor unseren Fenstern passiert. Da kann der Frühling noch so mächtig heranrauschen und die Natur explodieren lassen - bei den gut 50 Minuten mit Okieson scheint die Zeit noch dunkelbunt zu sein und still zu stehen. Dabei geht es nicht immer melancholisch daher, was Sebastian van Bijlevelt als Sänger und Mastermind auf „Cupboard Full Of Things” so abliefert.
Nein, es ist eher die wüste, leere, statische Atmosphäre die da mit allerhand zurückgefahrener Instrumentierung zelebriert wird. Zwischen Folk, Roots und klassischem Singer/Songwriter-Künsten schimmert der Sound von Okieson als glitzernd-schöne aber schüttere Musiklandschaft in allen Facetten der Moll-Tonlage. Aber wen wundert´s, hat das Quintett doch zum Teil namhafte Gastmusiker für ihr zweites Album gewinnen können: So finden sich z. B. mit Paul Niehaus (Calexico) und Tony Craw (Lambchop) gleich zwei Meister der Lo-Fi-Kunst in der zusätzlichen Besetzungsliste.
Aber dabei sind Songs wie „Fix Me Up“ oder „Sittin' In The Sun“ wahrlich keine melodramatischen Stimmungskiller, sondern jedes Stück ist für sich eher ein Abbild verschiedenster Stilmittel, mit der es Okieson schaffen, den getragenen Sound der Weite in Songs zu pressen. Den einzigen Vorwurf den man den Holländern dann auch machen kann, ist die Tatsache, dass manchmal die Handbremse zu arg gezogen wird: Dann nämlich, wenn sich die Songs selbst auszubremsen scheinen und die Spannung der Langsamkeit zu viel Raum gewährt. Langeweile kommt zwar nicht auf, aber dennoch überkommt den Hörer über die Gesamtspielzeit eine gewisse unterschwellige Trägheit, die fast schon nervös macht.
Da wäre etwas weniger wenig vielleicht ein wenig mehr gewesen. Abgesehen davon aber ein durchaus berührendes Album, das zwar nicht ganz in die Jahreszeit passen mag, sich aber seine eigene Nische absolut verdient hat. Ein Hoch auf den „Country Noir“.
Freitag, 19. März 2010
Review: Jona Steinbach - Alles Negieren (CD)
Zugegeben, ich habe einige Vorurteile wenn ich an Köln denke: Mein persönlicher Karneval-Alptraum, Podolski-Interview-Untiefen und Kölsche Bier-Seeligkeit. Da rechne ich also mit allem, aber nicht mit feiner Singer/Songwriter- und Pop-Kunst - und genau damit überrascht Jona Steinbach mit seinem Album „Alles Negieren“.Die zehn Songs kommen elegant-zurückgefahren und heimelnd daher, entfalten sich in Dynamik und erzeugen dabei eine nicht minder großartige Atmosphäre. Entscheidend dabei sind nicht nur Jona´s geschmeidige Vocals, sondern das gelungene Gesamt-Arrangement aus Pop, Synthie und handwerklich-ehrlichem Liedermachertum. Mal reduziert und mit klarem Piano im Opener, dann mit treibendem Elektro-Teppich beim Titelsong oder mit fast schon Beatles-artiger Posaunen-Opulenz im Abgang von „Ein Tanz“. Ein wahrhaft vielschichtiges Album mit Songs zwischen Harmonie und Anklage, Melancholie und Lebenslust und gesungener Wirklichkeitsbewältigung.
Wenn ich es nicht besser wüsste, kommen Alben wie „Alles Negieren“ aus Hamburg. Kettcar lassen grüßen, oder der Kollege Uhlmann. Und das ist ja eigentlich schon der Wertung genug. Da macht es auch nicht, dass „Alles Negieren“ ab der Hälfte etwas an Spannung verliert, und seinen Höhepunkt klar im Titelsong und dem herrlich geschriebenen „Ein Tanz“ hat.
Und Songs mit Titeln wie „Du Sagst Mir Immer Nur Dass Du Mich Liebst Wenn Du Betrunken Auf Dem Boden Neben Kajtek Liegst“ schreibt eh nur einer, der es sich erlauben kann. Große deutsche Songwriterkunst ohne Frage. Neue Kölner Hamburger Schule vielleicht. Ich fühle mich eines besseren belehrt, zumindest was meine Vorurteile gegenüber Köln angeht - Jona Steinbach sei Dank.
Montag, 8. März 2010
Review: Erik Penny - Bend (CD)
So viel an Hintergrundinformationen, die vielleicht auch die Atmosphäre und Inspiration zu seinem aktuellen Album „Bend“ erklären. Ein Song wie „Hannover“ kommt eben nicht von ungefähr. Aber der Reihe nach: Denn schon im ersten Durchlauf ist festzustellen, dass Erik Penny vor allem durch sein emotionales und ehrliches Singer/Songwriter-Handwerk brilliert, das immer den schmalen Grad zwischen Akustik, Pop und Folk-Momenten findet. Ob mit kalifornischem Sonnengemüt, gemächlicher Melancholie oder zurückgefahren-rockig – Erik Penny kombiniert bei den zwölf Song auf seinem dritten Longplayer Themen und Atmosphäre als wäre es das Normalste der Welt.
Und genau das ist der Zauber der von „Bend“ ausgeht: Weder genre-typische Gefühlsduselei im Tal der Tränen noch hochgetuntes Rock/Pop-Balett – nein, Erik Penny erzählt Geschichten in Melodien, ganz ohne Effekthascherei: Ehrlich, eindringlich und ohne Allüren. Das Ganze mal mit Akustikgitarre, mit Piano flankiert oder in aufgestockter Begleitinstrumentierung - und dabei immer musikalisch und auch produktionstechnisch einwandfrei inszeniert. Einfach herrlich unaufgeregt und unprätentiös gibt sich die musikalische Rundreise auf „Bend“, egal ob es ein Radio-Rocksong mit Refrain-Dauerwiederholung ist oder eben doch das Gefühlstagebuch in Singer/Songwriter-Manier.
Ein abwechslungsreiches, spannendes und sehr gelungenes Album also - für das sich der Umzug vom sonnigen aber langweiligen L.A. ins spröde aber herzliche Berlin für Erik Penny wohl doch gelohnt hat. Und für den Hörer in jedem Fall.
Montag, 1. März 2010
Review: Dukes Of Windsor - It´s A War (CD)
Bands aus Down Under müssen ja zumeist dem Vorurteil gerecht werden, besonders innovativ, rockig und chaotisch-kreativ zu sein. Die Jungs von Dukes Of Windsor scheinen da keine Ausnahme sein und versuchen mit ihrem zweiten Album „It´s A War“ fast alle Punkte zur vollsten Zufriedenheit erfüllen zu wollen.Schon der Opener „No Disguise“ macht deutlich wie der australische Hase in diesem Falle läuft: Kernige Rock-Nummern mit einer gehörigen Portion Elektro-Schubrakete, die gut und gerne auch auf den Tanzflächen da draußen zünden dürften. Eindruckvollstes Beispiel ist da ganz klar die Single-Auskopplung „It´s A War“, die als echter Tanz-Hammer mit elektrisierendem Refrain daherkommt und ganz sicher auf den Playlists der Clubs ihren Platz findet. Ein echtes Highlight wurde da also gesetzt - und fast naturgemäß fallen da die weiteren Songs auf „It´s A War“ schon etwas ab. Fast könnte man auch meinen, den fünf Herren aus Melbourne geht nach Mitte der Spielzeit etwas die Luft und auch die Ideen aus.
Es könnte aber auch daran liegen, dass „It’s A War“ eine Art „Best Of“ der Dukes Of Windsor-Discographie ist: Der Großteil der Songs stammt nämlich vom bereits 2008 erschienenen Album „Minus“. So lassen die krachigen Elektro-Elemente etwas nach, sperrige Rocknummern bis geschmeidige Indie-Pop-Ausflüge folgen – schön, aber nicht umwerfend oder gar Ohrwurm-tauglich wie bei Eröffnung des Albums. Einzig die mindestens so außergewöhnliche wie helle und fast schon androgyne Stimmlage von Frontmann Jack Weaving zieht sich als Alleinstellungsmerkmal über sämtliche Songs hindurch. Und trotzdem: Mit den gelungen-gemischten Elementen aus innovativem Rock und elektronischem Feinschliff genügt „It´s A War“ dennoch allen oben beschriebenen australischen Band- und Newcomer-Ansprüchen. Das abfallende Ohrwurmpotential zum Ende trübt das Gesamtbild zwar etwas ein - aber so ist das leider nun mal, wenn am Ende des Pulvers noch zu viel Album da ist.
Dienstag, 23. Februar 2010
Review: Fionn Regan - The Shadow Of An Empire (CD)
Damit hatte man nicht unbedingt rechnen können: Denn melodisch beschwingt eröffnet Fionn Regan sein zweites Full Length-Album „The Shadow Of An Empire“ – und zieht seinen Stil durch. Ungewöhnlich deshalb, weil das Debütalbum des irischen Songwriters “The End Of History” noch ein fast klassisches Akustik-Album der Marke „One Man And His Guitar“ war. So treffend fatalistisch dessen Albumtitel damals schon war, so findet sich auch im neuen Werk von Fionn Regan ein treffendes Motto.Zwar weniger zurückgezogen, aber dafür mit viel Verve und Rhythmik geht „The Shadow Of An Empire“ also an den Start und erinnert dabei an eine mitreißende Mischung aus erklärender Lebensweisheit in Bob Dylan-Pose und gleichzeitig schnoddrig-fahriger Moneybrother-Attitüde. So steht nicht mehr die kahle, isolierte Melodramatik der Gitarre im Vordergrund sondern ist vielmehr der atmosphärisch-bedingte Instrument- und Stileinsatz pro Song das Konzept der Platte. Zwischen Folk und klassischem Gitarren-Rock schwingen da Jazz, Glam, etwas Rock´n´Roll und allerlei Sound-Spielereien im locker geschnürten Americana-Themenkorsett mit. Weniger naturalistisch also, sondern mit mehr Fleisch an den Rippen präsentieren sich die zwölf Songs, die neben ihrer (von Regan wieder höchstpersönlich übernommenen) guten Produktion auch durch die schnodderigen bis zuweilen bissigen Lyrics bezaubern.
Somit ist Fionn Regan mit „The Shadow Of An Empire“ nicht nur ein rundum stimmiges Album gelungen, sondern dokumentiert gleichzeitig auch noch seine große persönliche und künstlerische Entwicklung: Vom einsam-inspirierten Singer/Songwriter in frugaler Soundkulisse zum ausgereiften Vollblut-Musiker mit Unterhalter-Qualitäten.
Samstag, 13. Februar 2010
Review: Tony Sly - 12 Song Program (CD)
Eigentlich war es ja schon vor gut fünf Jahren abzusehen: Tony Sly, bekanntlich Frontman und Chefdenker der Punkrock-Legenden No Use For A Name, hatte mit Joey Cape (Lagwagon) ein - im wahrsten Sinne des Wortes - Akustik-Album ihrer größten Hits aufgenommen und bewiesen, dass in so manchen Punkrocker ein größeres Songwriter-Talent steckt als einige selbsternannten Songtüftler da draußen vermuten mochten. P. S.: Nach einigem Suchen in den Tiefen des Sellfish-Archivs habe ich meine Review zum damaligen „Acoustic“-Album gefunden - und die gilt auch hier und jetzt erst recht.
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