Freitag, 5. Februar 2010

Review: Lostprophets - The Betrayed (CD)

Visible Noise / Sony Music Entertainment

Wie die Zeit vergeht: Es ist tatsächlich schon fast sechs Jahre her, als es eine damals unbekannte Band aus Wales mit ihrem Album "Start Something" schaffte, praktisch aus dem Nichts das No-Go-Genre "Nu-Rock" vorzeigbar umzustülpen. Das hitbeladene zweite Album der Lostprophets kam aus dem Nichts und explodierte förmlich vor Kreativität, Dichte, Härte und Melodien: Die Mischung aus Metal, Rock, Synthie-Pop und Screamo-Elementen war unheimlich - und genial.
Was danach kam, war leider nicht so ganz rühmlich: Zwei eher laue, alternativ-rockige Alben der etwas unbedeutendender Sorte sorgten dafür, dass die Lostprophets Gefahr liefen sich langsam auch von meinem musikalischen Radar zu verabschieden. Nach drei Jahren sind die (inzwischen auf sechs angewachsenen) Waliser nun zurück - und auch zu alter Stärke gelangt.
Sicherlich ist das neue Abum "The Betrayed" nicht mehr mit "Start Something" zu vergleichen, dazu haben die Lostprophets eine zu lange Entwicklung durchlaufen: Aber immerhin sind zwei Elemente wieder zurückgekehrt: Der energiegeladenen Sound und das Händchen für die nötige Härte. Während der Opener noch etwas gefällig daherkommt, holt das nachfolgende "Dstryr/Dstryr" schonmal ordentlich den Knüppel raus. Geblieben sind auch die atmosphärisch-poppig anmutenden Synthie-Teppiche, die insbesondere von Sänger Ian Watkins gerne als Intro/Outro und Spielwiese genutzt werden, um anschließend loszubrechen. Leider ziehen die Lostprophets diese Linien aber auch nicht auf ganzer Länge durch: Songs wie "Streets Of Nowhere" sind einfach unnötig poppig und unrelevant geraten, dass sie es genauso gut auch hätten bleiben lassen können. Entschädigt werden gerade Hörer aus den frühen Jahren mit "Next Stop, Atro City", das mit überschlagenden Vocals, Screamo-Attacken, Metal-Riffs und Aggressivität diesen unvergleichlichen Lostprophets-Sound ausmacht. Da fühlt man sich doch fast schon um Jahre zurückversetzt.
Insgesamt also eine deutliche Steigerung zu den vergangenen Werken, weil die Lostprophets auf "The Betrayed" wieder ihrer Kernkompetenz frönen: Fast schon achronistischer Alternative-Metal mit Pop-Appeal und Post-Hardcore-Reminiszenz. Nicht mehr unheimlich, vielleicht auch nicht mehr genial - aber dafür richtig gut.

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