Samstag, 17. April 2010

Review-Special: Bestandsaufnahme April 2009

Den Anfang dieses kleinen Review-Frühlingsspecials machen The Roovers aus Berlin, die bei mir mit "A Sweet Invitation To A Romantic Massacre" (TheRoovers) das erste Mal ihre Visitenkarte abgeben. Und schon die ersten Minuten machen klar, wie der Hase läuft: Rock´n´Roll aus der Garage auf Modern und in Dreckig. Besonders schön aber dabei, dass die Jungs zwar Wert auf krachigen Sound legen, aber dennoch Melodien, Instrumente, Breaks und Tempowechsel ihren Niederschlag finden. Wenn auch selten ein Song unter vier Minuten weg kommt, unterhält "A Sweet Invitation To A Romantic Massacre" mit der gelungen Mischung aus Hardrock, Schweineorgel und Schmalzlocke. Dabie sind sich die Jungs auch nicht zu schade ist für so manch psychodelisch-dramatischen Wüstentrip ("Home"). Feine Sache. Und live knallt es bestimmt noch mal richtig.

Ähnlich dreckig, ehrlich und direkt geht es auch weiter: Denn Detroit 7 liefern mit "Black & White" (Kastellamedia / Soulfood Music) nicht nur ein derbes Brett "Rock´n´Roll" ab, sondern begeistern dabei noch mit Frauen-Power und Punk-Attitüde. An die Stimme darf man sich dann auch schnell gewöhnen, denn Detroit 7 legen ein Tempo vor, das The White Stripes manchmal auch nicht schlecht zu Gesicht stünde. Rockig, röhrend und lässig aus der Hüfte trifft hier Garage auf Rock, Punk unter der stänsigen Suche nach knallenden Melodien: Derbe und auf den Punkt. Die zwei Mädels +1 von Detroit 7 machen ihre Sache fast besser also manche all-american Garagepunk-Band - aber das ist ja wie so oft bei den Japanern.

Dem Thema "Punk" haben sich auch Neck aus dem schönen Irland verschrieben. Punk und Irland das ist ja fast schon zwangsläufig unter der Kategorie "Folk-Punk" abzuspeichern. Tatsächlich ist "Come Out Fighting" (Golf / Cargo Records) aber kein klassischer Folk-Punk, denn im Vergleich zu ihren allseits bekannten Genre-Genossen, legen Neck noch einmal mehr Gewicht auf den Folk-Anteil. Fast schon Musical-artig werden hier irische Tradtionals ins Rock-Gewand gepresst, haben aber auch genügend Raum, um ihren ganz eigenen Charme jenseits des Punkrock-Tempos zu entfalten. Das macht "Come Out Fighting" zu einem etwas differenzierten Hörerlebnis als es vielleicht bei Flogging Molly oder The Real McKenzies der Fall ist. Gut - auch wenn das "Riverdance"-Thema ein wenig zu stark mit reinspielt. Man hört sich halt schnell satt.

Thematisch schon eine Ecke weiter sind Goldust, die sich mit ihrem zweiten Longplayer nach einigen Jahren des Luftholens und der Line-Up-Anpassung wieder zurück melden. Und wie! Schon lange hat keine Hardcore-Scheibe derart bei mir eingeschlagen: "Destroyer Borderlines" (Let It Burn Records / Soulfood Music) ist mit seinen knallenden Drums und derben Shouts ein explodierendes Fass, ein geniales Stück "old school" ohne pseudo-typische Metal-, Deathcore und Screamo-Anleihen. Gelungen ist Goldust vor allem die Gesamtatmosphäre auf "Destroyer Borderlines": Düster, apokalyptisch und hoffnungslos. Dazu verpuzzelt-gute Lyrics, treffende Intros und brachiale Spitzen (von dem gelungenen Artwork mal ganz zu schweigen). Damit haben die fünf Münsteraner ein ordentliches Brett abgeliefert, dass sich mit Szene-Größen wie Comeback Kid oder gar Agnostic Front durchaus messen lassen kann. Bis dato mein persönliches Genre-Highlight in 2010. Endlich mal wieder.

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