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Donnerstag, 21. Mai 2009

Bildersprache: Wow, was für (k)eine Aussicht!

Es ist doch immer wieder erstaunlich was passiert, wenn zwei gleichstarke Triebe aufeinander treffen. Das Ergebnis ist manchmal verherrend. Relativ anschaulich wird das ganze an zwei urdeutschen Tugenden dokumentiert:

Oberste Pflicht für einen Durchschnittsdeutschen ist es ja - neben den restlichen Lebensaufgaben wie etwa eine Baum zu pflanzen und ein Kind in die Welt zu setzen - ein Haus zu bauen!

Interessant wird es, wenn man an die nächste Charaktereigenschaft des typischen Häusle-Bauers denkt: Mein Eigentum ist mir heilig! Zum Glück hat der Beamtendeutsche dafür das schöne Wort "Einfrieden" erfunden. Und das heißt nicht, dass man seine Nachbarn kaltstellt, sondern umschreibt das exakte Einzäunen des Grundstücks mit Einfriedungen verschiedenster Formen und Farben - was der Baumarkt halt so hergibt. Hier gibt es neben Maschendraht- und Jägerzaun auch noch andere Möglichkeiten wie man das anscheinend genetisch veranlagte Bedürfnis, sich vor den Blicken des Nachbarns oder der Außenwelt zu schützen, befriedigt.

In folgendem Beispiel ist dem Bauherren eine effektvolle Kombination aus verschiedensten Sichtschutz-Elementen gelungen. Bretterwände mit Latten-Ornamentik, ein strategisch günstig gesetzter Grill, ein Hasenstall und eine zurückversetzte Terasse vollenden das Werk. Eine Festung, die wahrlich keine feindlichen Einblicke mehr zulässt.
Wie der Ausblick aus Wohnzimmer oder von der Terasse ist, scheint da wohl Nebensache zu sein. Hauptsache das Eigentum und die Familie ist geschützt. Irgendwie sehr archaisch, oder? Und dumm.

Dienstag, 10. März 2009

Christus-Statue in Wassertrüdingen gekippt

Warum nicht gleich so: Der Stadtrat der mittelfränkischen Stadt Wassertrüdingen hat in seiner heutigen Sitzung mit großer Mehrheit quer durch alle Parteien gegen die 55 Meter hohe Christus-Statue auf dem Hesselberg gestimmt. Stein des Anstoßes für das Kippen des Stadtrats waren die Vorbehalte der beiden Kirchen gegenüber des gigantomanischen Projekts.

Und was bleibt am Ende? Eine krude Idee mit der die Investorengruppe gerüchteweise schon bei der nächsten willigen Gemeinde anklopft, eine herzerfrischende Diskussion und einige Kommunalpolitiker, die sich eine blutige Nase geholt haben. Das sollte allen eine Lehre sein und diese leidige Projekt hoffentlich endgültig begraben. Eine gesunde Stadtentwicklung sieht eben doch anders aus.

Freitag, 20. Februar 2009

Verkauf der Heimat? Eine 55 Meter Christus-Statue in Mittelfranken

Unglaublich, aber wahr: Der kleine Ort Wassertrüdingen in Mittelfranken beabsichtigt tatsächlich eine ca. 55 Meter hohe Christus-Statue als "Touristen-Magnet" an einer Anhöhe aufzustellen. Assoziationen mit der Christus-Statue auf dem Corcovado in Rio de Janeiro werden da unvermeidlich - und schon der Vergleich mit der Millionenmetropole Brasiliens konterkariert und verbietet eigentlich diese gigantomane, naive Planung. Wortspiele mit dem Namen des Bürgermeisters Günther Babel liegen da auch nicht fern, obwohl er immerhin die Meinung vertritt, dass "die Christus-Figur (...) theologisch gut begleitet werden (muss)" . Warum aber eine 6000-Seelen-Gemeinde tatsächlich meint, durch ein konstruiertes "achtes Weltwunder" ihre eigene wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Identität zugunsten einer Investoren-Blase vollkommen in Frage zu stellen und - in letzter Konsequenz - in ihrer Existenz zu gefährden, bleibt dem am Boden gebliebenen ungläubig staunenden Franken verschlossen.
Auch die Tasache, dass der Investor mit diesem "Projekt" in anderen Kommunen schon abgeblitzt und auf berechtigten Widerstand gestoßen ist, sollte den verantwortlichen Wassertrüdigern zumindest zu denken geben. Immerhin ist die Gemeinde mit der Taktik, das Projekt bis zur entscheidenden, nicht-öffentlichen Ratssitzung geheim zu halten, scheinbar gut gefahren.
Wer auf Gedeih und Verderb versucht, ein Alleinstellungsmerkmal - und damit ein Marketingfaktor - für seine Gemeinde zu finden, der sollte nicht auf eine konstruierte Amerikanisierung des Landschaftsbildes setzen, sondern aus der Historie die wahre Identität des Ortes herausstellen und fördern.
Dem fast schon paranoid wirkenden Drang ländlicher Bereiche nach Übernachtungszahlen und Arbeitsplätzen scheinen heutzutage wohl viele zu schnell zu erliegen - und es wäre tatsächlich ein Wunder [sic!], wenn der Christus-Koloss dieses in Wassertrüdingen bewirken sollte. Den Vorwurf des "Verkaufs der Heimat", wie er von einigen Gegnern formuliert wurde, müssen sich die Befürworter aber gefallen lassen - ganz unabhängig von jeder religiösen Diskussion.

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