Montag, 26. März 2012

Review: Olli Schulz - S.O.S.

Trocadero Records

Die Mutter aller Rezensions-Katastrophen: Wer jemals volle Leidenschaft und Hingabe in eine CD-Besprechung gelegt hat und diese dann durch einen Softwarefehler verloren hat, weiß wie es mir gerade geht. Es war eine Abrechnung plus persönlichem Neuanfang mit Olli Schulz, der mit „S.O.S.“ ein tolles Album hingelegt hat. So viel schon mal vorab als Fazit.

Wäre die Datei noch da, hätte darin gestanden, wie enttäuschend ich die Kluft zwischen dem Singer/Songwriter und Entertainer Olli Schulz auf der Bühne und sein Gehabe abseits wahrnahm, als man doch nur ein Interview machen wollte. Spontan abgesagt und hinterher noch ´nen überheblichen Spruch, und das gleich bei zwei Interview-Terminen. Gut, Sellfish.de war zwar damals nicht das NME, aber Olli Schulz eben auch nicht Bruce Springsteen. Nun gut, einige Zeit ist´s her. Schwamm drüber.

Wäre die Datei noch da, hätte darin gestanden, dass nach der langen Zeit in der Olli Schulz wohl auch deshalb in der Playlist meines Lebens kaum noch vorkam, „S.O.S.“ trotzdem (oder gerade deshalb) voll bei mir einschlug. Der warme Gitarren-Sound, die bedächtige Atmosphäre, die geschmeidigen Vocals. So als wäre es 2005 und das „Beige Album“ würde im Player seine Kreise ziehen.

Wäre die Datei noch da, hätte darin gestanden, dass „S.O.S.“ belegt wie der Künstler Olli Schulz und gleichzeitig auch seine Hörerschaft erwachsener geworden sind. Irgendwie geerdet und selbstreflektiert. Und verdammt noch eins, das hat Olli Schulz auch mal richtig gut getan. Songs wie „Old Dirty Man“ beweisen weniger durch geschicktes Songwriting aber durch treffende Lyrics diese Entwicklung und allein der Opener „Wenn Es Gut Ist“ offenbart, welche Qualitäten in Olli Schulz stecken.

Wäre die Datei noch da, hätte darin gestanden, wie Olli Schulz weiterhin so wunderbar auf der Klinge zwischen Genie und Wahnsinn tanzt. Wo er „Ich Kenn´ Da Einen“ mit Dancehall-Beat und Reggae-Style abfeiert und gleichzeitig mit einem nervtötenden Outro zerstört, da hat der Wahnsinn Methode. Genauso wie die dadaistisch anmutenden improvisationsartigen Songfragmente, die er in altbewährter Olli Schulz-Manier zwischen die eigentlich beseelte Atmosphäre toller Songs wie „Irgendwas Fehlt“ kegelt. Oder das kongeniale „H.D.F.K.K.“, das tatsächlich ein Knaller wäre, hätte Olli Schulz doch nur ein, zwei Strophen mehr eingebaut und richtig zu Ende produziert.

Wäre die Datei noch da, hätte darin gestanden, dass am Ende „S.O.S“ wohl weniger „Save Olli Schulz“ meint, sondern Olli Schulz sich mit diesem Album vielmehr selbst gerettet hat. Ein ausgezeichnetes Album eines ernsthaften Künstlers, dem man seine Schnoddrigkeit entschuldigen muss, als charakteristischen Teil eines Entertainment-Pakets. Während die neoParadise-Zuschauer Olli Schulz weiterhin hauptsächlich als (zugegeben schmierig-komischen) Spaßvogel wahrnehmen, offenbart sich mit „S.O.S.“ und auf der Bühne die wahre Qualität des Künstlers.

Wäre die Datei noch da, hätte das Fazit gelautet, dass „S.O.S.“ mein schwieriges Verhältnis zu Olli Schulz versöhnt hat. Denn es ist ein tolles Album geworden, das sich mit den gehypten Singer/Songwritern unseres Landes absolut messen kann.

Die Datei ist weg, aber die Review steht. Und am Ende mache ich auf der nächsten Tour eventuell wieder ein Interview, diesmal vielleicht mit einem etwas demütigeren Olli Schulz - das wär´ doch was. Meld dich einfach, Olli.

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